Leserbriefe zu 002 – Anteile? Innenpersonen? Streithanselhaufen im Kopf? ANP/EP? PADL/PSTT???

Hallo (…),
ich mag weder das Wort Anteile, noch Personen für mich – es ist ein Denkmodell, daher finde ich „Scheiben“ (im Sinne von die Kartonscheiben, die ich gemalt habe) für mich passender, weil es mehr zeigt, dass es ein Modell von der Wirklichkeit ist.
(…)

Alles Liebe, s.

Guten Morgen,
wie wunderbar, dass du (…) von „Denkmodell“ sprichst… genau dazu habe ich auch grad vorgestern nochmal wieder Stichworte gesammelt… Ich nenne „sie“ oft Anteile… habe dann aber verstanden, dass Anteile für viele andere (Anm. Viele-)Menschen (…), gar NICHT geht, weil Anteile nicht vollständig sind, sondern nur ein Teil von etwas… aber diese „anderen“ ja vollständig und eigenständig sind… während ich glaube in der Expertenempehlung zur DIS ganz viele Möglichkeiten stehen, wie Menschen dieses Fremde nennen… ja und weil ich oder „irgendwer“ soooo ein Problem hat von anderen zu reden, wollte ich darüber auch noch was schreiben… danke, dass du es als Denkmodell bezeichnest…
lieben Gruß

(per Email)

Wie soll man nun seine „Anteile“ bezeichnen? Hier im Blog verwende ich bisher Anteile, ANP / EP und Scheiben. Oben habe ich schon erklärt, warum ich Scheiben am liebsten mag: Ich spreche dann nicht direkt von meinem Innenleben, sondern von den zu Papier gebrachten Modellen meiner Innenwelt. Ein solches Denkmodell erscheint mir sehr geeignet im Gespräch mit Einsmenschen, damit die mich besser verstehen. Ich persönlich sehe mich nicht so, als dass „vollständige und eigenständige Personen“ sich meinen Körper teilen  – andere Vielemenschen sehen das sehr wohl so, und das finde ich genauso 100% okay wie mein eigenes Empfinden. Meine Scheiben sind auf Kooperation angewiesen (nicht jede Scheibe kann jede Situation gut meistern), sie brauchen sich gegenseitig für sinnvolle Arbeitsteilung. Wenn ein „Anteil“ den Körper 24/7 übernehmen müsste, würde das im völligen Desaster enden – ich brauche derzeit alle möglichen Formen von Dissoziation, damit ein normaler Tag ein normaler Tag wird. Ich merke, dass ich zu manchen meiner (traumanahen) Anteile sehr viel Abstand brauche: Wenn ich sie ganz an den äußersten Rand meiner Wahrnehmung stelle, kann ich sie gerade noch ertragen.

Das „korrekte“ (von Einsmenschen gewählte) Fachwort wäre „Anteile“. In der Fachliteratur findet man auch ANP (anscheinend normaler Persönlichkeitsanteil) und EP (emotionaler Persönlichkeitsanteil) – eine Wortwahl und Einteilung, die ich nicht gerade begrüße:

  • „Anscheinend normal“ impliziert für mich, dass ich hinterfotzigerweise so tue, als wäre ich normal, aber in Wahrheit besch§$%e ich damit die Menschheit – vorsätzlich. Ich in meinem Fall bin für meine gesamte Außenwirkung wirklich erschreckend-faszienierend normal – für meinen Mann, mein Kind (sowieso!), meine Arbeit. Es kommt bei mir nicht vor, dass irgendwelche „Innenkinder“ plötzlich vor den Augen meiner Angestellten durchs Büro hopsen und „Alle meine Entlein“ singen – nicht-hochfunktionale Anteile sind bei mir nur zuhause aktiv, wenn ich allein bin. Ich spiele eben nicht hinterfotzigerweise normal – mein System hat Todesangst, sollte auffallen, dass etwas bei mir nicht normal ist, und schützt sich demnach mit allen Mitteln: Ich vermute, dass vor „alle meine Entlein“ eher eine Anteil einen Brieföffner in meine Halsschlagader rammen würde, so ausgeprägt ist dieser Geheimhaltungsschutz bei mir.
  • ANPs können nicht gleichzeitig EPs sein, schreibt M. Huber in einem ihrer Bücher. Vielleicht habe ich ihre Ausführungen völlig falsch verstanden, aber der Satz hat mich einen eintägigen Heulkrampf gekostet: Heißt das, ich kann nicht gesund emotional sein, sowie ich das Haus verlasse (denn nur meine ANPs verlassen das Haus)? Das ist ja fürchterlich! Mit meinen Emotionen bei meiner Hochzeit oder an herrlichen Urlaubstagen stimmt was nicht? Sie sind gar nicht oder sie sind irgendwie falsch? Inzwischen sage ich: Ich stimme nicht zu: Meine ANPs können emotional sein.

Die Herrschaft über die Wahl der Fachwörter haben Menschen, die von der Diagnose leben, nicht mit der Diagnose – das ist sehr schade. Mir ist jeder Fachmensch sympathisch, der gegen die Bezeichnungen ANP und EP aufbegehrt. Kathy Steele und Suzette Boon setzen sich dafür ein, dass ANPs umbenannt werden in „parts active in daily life“ und EPs in „parts stuck in trauma time“. Applaus! … und dann stimmt das auch wieder: Ein Alltagsanteil kann nicht gleichzeitig ein traumanaher Anteil sein.

Ich möchte die gängigen ANP/EPs hier wohl nicht mehr verwenden. Irgendwo muss die Verbesserung ja beginnen.

Und was hältst du von dem Wort „Alltagsteam“? Wer gehört da so rein? Nur „Große“ oder auch „Kleine“? Kleine ganz weise Kind-Anteile? Und: ok, dass Innenkinder nicht singend durch die Gegend rennen, ganz unkontrolliert… aber ich bin schon oft in trauma-nahen Mustern unterwegs?? Mich unterwerfend, den Atem anhaltend… für die Außenwelt vielleicht immer noch im Rahmen des „Normalen“, doch für mich nur „anscheinend normal“…spüren, tue ich den Unterschied, weil es anstrengend ist… bist du nie mit dem Verhalten deiner „Trauma-Scheiben“ unterwegs??

Birke-Zeitenmosaik

Hallo Birke,

hm, für mich ist es nicht eine Frage dessen, „was ich davon halte“… Ich finde alles lesenswert, beachtenswert, verstehenswert, wenn jemand seine eigene Lebensrealität mit welchen Begiffen auch immer beschreibt. Wenn jedoch Menschen (in dem Fall Einsmenschen = bezahlte Helfer) die Lebensrealtität anderer (Vielemenschen = Psychiatriepatienten = Schutzbefohlene der bezahlten Helfer) mit abwertenden Begriffen betiteln, macht das was mit mir.

Wenn ein Vielemensch Alltagsteam sagt, Innenkind, Innie, Innenperson, Täterintrojekt – kann ich alles so annehmen, geht ja nicht um mich. Wenn Du mich fragst, ob ich diese Begriffe für mich verwende…?

Ja, ich empfinde es so, dass ich ein Alltagsteam habe – es besteht aus ganz schön vielen Scheiben, es ist unübersichtlich. Gott sei Dank „reden“ die viel miteinander und sind von außen weniger unterschiedlich als manche Einsmenschen Stimmungsschwankungen haben. Kaum jemand wüde mich als launischen Menschen beschreiben…
Täterintrojekt – hab ich sowas? Wenn alle drei Jahre vorkommt, dass ich mit geballten Fäusten jemanden anbrülle (einen Taschendieb in St. Petersburg, der sicherlich bis heute von mir einen Tinitus hat!) – ist das ein Täterintrojekt? Wär irgendwie einfach, aber ich denke, es war immer noch ich, die sich da verteidigt hat. Die Täterintrojekt-Idee ist auch von Menschen, die vom Trauma leben, aber die ist irgendwie entlastend, nicht abwertend… die kann ich ganz gut nehmen…
Innenkinder – ganz heikles Thema bei mir. Einerseits brüllt „jemand“ in meinem Kopf: „ICH HAB KEINE INNENKINDER!!!“ … andererseits erzähle ich selbst im Artikel, der am Mittwoch kommt, von einer 5jährigen… Ich registriere da also sehr gegensätzliche Meinungen dazu in meinem System.

(Mehr unten in den Kommentaren.)

Warum ist die Einteilung ANP/EP „wichtig“? Weiterlesen…


Hallo Frau Mussorgsky,

danke für (Ihr Blog), tatsächlich behandele ich fast ausschließlich DIS und komplexe Traumafolgestörungen und bin froh Ihren Blog weiterempfehlen zu können, da er keine triggernden Informationen enthält.

Vielen Dank und Ihnen auf Ihrem Weg alles Gute

(per Email, Psychotherapeutin aus NRW)

Oh, das freut mich. Und das mit den Triggern soll hier so bleiben… meinen Müll kippe ich bei meiner Therapeutin ab – hier ins Blog sollen hilfreiche Infos, Fakten etc.


Danke für die Kommentare und Emails… ich habe mich sehr darüber gefreut und sie helfen mir beim Nachdenken…

Du magst etwas dazu sagen? Lass mir einen Kommentar da…

20 Kommentare Gib deinen ab

  1. Pauline-s sagt:

    wieso meint die „Therapeutin aus NRW“, dass der Blog keine „triggernden Informationen“ enthält?? Die Sache mit den Triggern ist doch eine sehr individuelle- da kann man doch gar nicht pauschal sagen: „triggert/triggert nicht“….

    Gefällt 3 Personen

    1. Hm, weiß ich nicht so genau, aber ich bemühe mich schon sehr, hier nicht Dinge rein zu schreiben, die ich selbst als für mich belastend (im Sinne von triggernd) empfinde. Müsste man sie fragen… 🙂 LG s.

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  2. MrsTingley sagt:

    Was für ein schönes Lob von der Therapeutin 🙂

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  3. Birke-Zeitenmosaik sagt:

    Und was hältst du von dem Wort „Alltagsteam“? Wer gehört da so rein? Nur „Große“ oder auch „Kleine“? Kleine ganz weise Kind-Anteile? Und: ok, dass Innenkinder nicht singend durch die Gegend rennen, ganz unkontrolliert… aber ich bin schon oft in trauma-nahen Mustern unterwegs?? Mich unterwerfend, den Atem anhaltend… für die Außenwelt vielleicht immer noch im Rahmen des „Normalen“, doch für mich nur „anscheinend normal“…spüren, tue ich den Unterschied, weil es anstrengend ist… bist du nie mit dem Verhalten deiner „Trauma-Scheiben“ unterwegs??

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    1. Hallo Birke, (s. oben im Text)
      Traumanahe Muster… Ich kann bei vielen „stressigen“ Verhaltensweisen von mir zurücktracken: gehört das zu meiner Mutter-Kiste (1), zu meinem Erwachsenenalter-Trauma (2) oder zu dem Trauma mit dem großen X (3; das die DIS verursacht haben muss, denn die anderen beiden können’s nicht gewesen sein). (2) springt nur mehr ganz, ganz selten an. (1) springt in Therapiesituaitonen immer mal wieder an… im Alltag weniger, zumindest nicht IN der Situation. Hinterher macht es dann Kopfdiskussionen, da komm ich dann aus dem Konflikt nicht mehr gut raus, obwohl ein Superchecker-PADL das genial gemanagt hat in der Echtsituation. Aber da hab ich einfach viel Wissen rund um die Manipulationsmethoden meiner Mutter, daher ist das nicht sonderlich mächtig, aber ich registriere es noch… Wenn Therapeutinnen ähnlich wie meine Mutter argumentieren (/manipulieren???), dann rastet hinterher eine Scheibe aus – in der Situation selbst übernimmt sofort ein PADL, der die Coolness selbst ist, um jeden Preis verdeckend, dass hier ein Problemfeld ist. Nicht gerade einfach für Therapeutinnen, die Sonrisa… Tja, und (3) ist eben (3) – da hab ich kaum Zugang.
      Also nein, ich denke nicht, dass ich im Verhalten meiner traumanahen Anteile in der Echtwelt unterwegs bin. Ich kann es nicht wissen, weil ich sehr viele Blackouts im Alltag habe – aber es wird mir nicht erzählt. Es wird nichts Komisches berichtet, getuschelt, nachgefragt. Ich lebe das nicht aus. Ich bin von außen betrachtet wirklcih erschreckend „normal“. Jeder meiner Geschäftspartner, Kunden, Mitarbeiter, andere Menschen, die mich täglich erleben, oder uneingeweihten Freunde / Nachbarn etc. würde laut loslachen, wenn sie erzählt bekommen würden, dass ich ein psychisches Problem habe – und sei es nur ein ganz kleines.

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      1. Birke-Zeitenmosaik sagt:

        „Ich lebe das nicht aus“..Ich lebe das auch nicht aus…und gleichzeitig würde ich sagen, dass es ausgelebt wird und dass ich total oft „traumanah“ rumlaufe…ohne dass es jemand merkt…aber die Bindungstraumadynamik: Unterwerfung, bzw. „im Kind-Modus“ zu sein, mich nicht gleichwertig zu erleben, nicht meine Meinung zu äußern trauen, keine Grenzen zu setzen… das ist oft da… manchmal frage ich mich, ob ich öfter im EP als im ANP rumlaufe…

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        1. Unterwerfung… hm… hab ich das? Ich weiß nicht… wenn ist es eher eine strategische „Unterwerfung“, wenn es Sinn macht, einem anderen zu zeigen, dass man nicht gefährlich ist. Wie einem Kind gegenüber, das im Supermarkt seine Mutter verloren hat. Sonst springt sehr selten, aber mich sehr irritierend, ab und an eine äußerst kämpferische Scheibe an, die nachher aber in ein sehr erschöpftes Loch fällt… Ich muss ständig Grenzen setzen, das kann ich gut. Trotzdem renne ich immer wieder über meine eigenen Grenzen, weil nicht jede meiner Scheiben dieselben Fähigkeiten und Belastungslevels hat. Das ist mühsam. Für mich fühlt es sich echt so an, als hätte ich „draußen“ nur PADLs aktiv. Aber vielelicht ist auch alles ganz anders – ich kenn mein System nicht perfekt – ich hab Scheiben, mit denen rede ich grundsätzlich ncihts.

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  4. Birke-Zeitenmosaik sagt:

    ANPs… ich glaube ANPs können emotional sein. So habe ich die Literatur verstanden…nur nicht umfangreich, allumfassend… oder sie sind „oberflächlicher“ emotional… Meine ANPs haben nicht die Bandbreite und Differenzierungsfähigkeit von Gefühlen wie ich sie mir „gesund“ vorstelle und haben nicht immer einen Zugang zu Emotionen, können aber emotional sein…für mich sind EPs eher die unkontrollierbaren, die die angetriggert erscheinen…und damit können sie nicht gleichzeitig ANPs sein, die -so wie ich sie verstehe- kaum Zugang zu Traumazeug haben.

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    1. ähm. mnja. ich will nicht weiter über die von Einsmenschen so benamselten ANP/EPs nachdenken (müssen / dürfen / sollen). 🙂 Mir sind die Kategorien zu unpassend.

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    2. PS: Ich les nicht (mehr?) in der Literatur nach, was ich können darf und was nicht. Ich probier’s einfach. 🙂

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  5. Täterintrojekte…die kannst doch auch du haben, oder „jemand“… zum Beispiel: Niemand darf, soll etwas merken! Wo kommt das her??? Wohl aus einer anderen Zeit… da lebt doch jemand im Hier und Jetzt mit einer Überzeugung aus dem Damals…trauma-nah!?

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    1. Naja, niemand darf merken, dass ich einen an der Waffel habe, ist schon Gegenwarts-bezogen: Arbeit? Kind? Hm?

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  6. Christiane Hamburger - Banert sagt:

    Hallo,
    der Blog hier ist sehr hilfreich für mich – Neukömmling. Meine Diagnose habe ich erst seit ein paar Wochen.
    Leider habe ich (noch)keinen Zugang zu meinem Inneren.
    Meine Therapeutin sagte, dass ganz Dicke Mauern die Kommunikation blockiert.
    Kennt das jemand? Ich habe dadurch das gr.Problem, dass ich oder ein anderes ich, Dinge tun die ich mir nicht erklären kann. ..oder Sachen gesagt, versprochen habe, von denen ich dann nichts weiß – zum Glück arbeite ich nur noch 4 Std täglich, aber es ist wahnsinnig anstrengend. Ich schreibe jetzt alles auf. ..
    Würde mich freuen, über eure Erfahrungen zu lesen.
    VG aus Rheinland Pfalz

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    1. Liebe Christiane, herzlich willkommen! Ich freue mich sehr, dass Du das Blog als hilfreich empfindest. 🙂
      Ja, ich kenne das… meine Scheiben / Anteile haben manchmal sehr fette amnestische Barrieren: Der eine weiß nicht, was der andere tut. Ich habe dazu gestern nochmal etwas geschrieben, solltest Du zu dem Thema weiterlesen wollen.
      Anstrengend – puh – ja, empfinde ich auch so!
      Alles Liebe,
      s.

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  7. echtjetzt? sagt:

    ja, genau DAS ist es, was den Blog auch so von anderen Unterscheidet. Ich habe es erst beim lesen der Kommentare gecheckt. Es ist wenig triggerndes da. Ich kann es gut lesen ohne, dass ich das Gefühl habe lieber nur husch husch über die Zeilen fliegen zu wollen.

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  8. Ich hätte gerne Dein Alltagsteam…. bei mir funktioniert das nicht so gut, da ist kein PADL da der regelt….meine Verteidiger (die die TraumaInnens verteidigen) sind so blitzschnell und geübt, dass die Vermischung (vor allem bei der Thera) so häufig und schnell passiert, dass da gar keiner dazwischen kommt, der regeln kann. Das ist verdammt hinderlich im Alltag und gar nicht förderlich im Außen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich schon als Kind total Rebell war und ohne Rücksicht auf mein Überleben trotzdem meinen Tätern Parole geboten habe. Irgendwie konditioniert.

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  9. Hat dies auf DIS…tanz rebloggt und kommentierte:

    Welche Persönlichkeitsanteile gibt es in einem Menschen mit dissoziativer Identitätsstruktur? Ich habe über 100 Artikel hier geschrieben, bevor ich mich endlich an dieses Thema wage. Ich mag es nicht besonders, dieses Schubladenstopfen. Der Leserbrief-Artikel darüber ist unter den top-5-Beiträgen im Blog – es scheint also ein Thema zu sein, das irgendwie wichtig ist. Welche Gruppen von Persönlichkeitsanteilen gibt es und was haben Bindungsstrategien von Kleinkindern damit zu tun?

    [Weiterlesen …]
    Binäre Kriterien von Fachleuten

    (1) Zunächst gibt es Anteile und Fragmente. Anteile sind wie eigenständige Personen: mit individuellen Vorlieben, Wünschen und Zielen, einer eigenen Lebenseinstellung, ihren Abneigungen und Talenten. Fragmente sind einfacher gestrickt: Ich habe ein Fragment, das will nur tot sein – sonst kann es nichts, will es nichts.
    (2) Warum sind meine Anteile aufeinander angewiesen, damit ein normaler Tag ein normaler Tag wird? Was stört mich an den gängigen Bezeichnungen nach Ellert Nijenhuis, PhD: ANP (anscheinend normale Persönlichkeitsanteile) und EP (emotionale Persönlichkeitsanteile)? Antworten auf diese Fragen findest Du hier.

    Ich hab meinen eigenen Text gerade nochmal gelesen, und muss gestehen: Dinge ändern sich. Ich sehe es inzwischen schon teilweise so, dass „eigenständige Personen“ meinen Körper übernehmen – „wir“ sind bei genauerer Betrachtung doch ziemlich unterschiedlich, jetzt, wo „wir uns“ besser kennen.

    Auch bei den neuen Bezeichnungen nach Boon / Steele Parts active in daily life (PADL) und Parts stuck in trauma time (PSTT) teilen innere Anteile in zwei Mannschaften: Ein PADL kann nicht gleichzeitig PSTT sein; außerdem haben nur Menschen mit DIS/DDNOS mehr als einen PADL. Ich schaffe es nicht, meine Körpermitbewohner in dieses Schema zu pressen.

    (3) Eine andere binäre Einteilung von Fachleuten ist die der Innenkinder und Innenerwachsenen. Ich kann nach 1,5 Jahren gezielter Innenarbeit diese Einteilung für einige im Innen auf mich teilweise anwenden. Das hat lange gedauert… weil für mich aus ∑ich Kinderzustände unerträglich sind. Andere Betroffene sind hier schneller als ich – ich hatte als Kind nur ein Ziel: Schnellstmöglich erwachsen werden und autark leben können. Es ist brutal zu erleben, dass welche aus ∑ich dieses Ziel noch nicht erreich haben und vermutlich nie erreichen werden.

    (4) Eine weitere Schubladisierung von Fachleuten sind Introjekte vs. … ja, dafür kenne ich kein Fachwort. Kennst Du eines? Ich würde sagen, das Gegenteil von Introjekt sind Ich-Anteile aller Altersklassen. Ein Introjekt hingegen ist eine Repräsentation einer Außenperson (meistens, jedoch gibt es auch Tier-Anteile und sogar Objekt-Anteile) im Innen. Täteranteile und täterloyale Anteile sind Introjekte.

    Zurück zum Ursprung. Parts active in daily life (PADL / ANP) und Parts stuck in trauma time (PSTT / EP) konnte ich erstmals so richtig greifen, als ich mich mit einem anderen Thema beschäftigt habe: nämlich Bindungsstrategien von Kleinkindern. Da gibt es nach Ainsworth vier verschiedene, von denen mir zwei besonders ins Auge fielen (5):

    bindungsvermeidend: Kleinkinder, die nicht weinen, wenn die Mutter weggeht und sie ignorieren, wenn sie zurückkommt, werden zu Erwachsenen mit „dealing, but not feeling“ – ja, das sind meine PADLs in Bezug aufs Trauma: Sie kommen gut in der Welt zurecht, aber fühlen nichts zum Trauma. Dieses Muster ergibt als Erwachsene eher Menschen mit Traumadiagnose. Ich lebe mit wenigen Einschränkungen im Tun, aber mit vielen im Fühlen.
    bindungsambivalent: Kleinkinder, die ständig die Aufmerksamkeit der Mutter einfordern und verzweifeln, wenn die Mutter weggeht und sich durch ihre Rückkehr nicht beruhigen lassen, werden zu Erwachsenen mit „feeling, but not dealing“ – so sind manche meiner PSTT drauf: Völlig überfrachtet mit Emotionen. Dieses Muster ergibt später eher Menschen mit Borderline-Diagnose.

    Findest Du solche Einteilungen hilfreich? Welche passen gut für Dich, welch egar nicht? Kommentar? Gern!

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  10. Caroline sagt:

    Na na, grad diesen Blog entdeckt … trigger versteckt in der Art weise des schreibstils…dem Wortechaos … den rübergebrachten Stimmungsbildern und verwirrenden Eindrücken und subtil beschrieben Emotionen…
    Kurz: bin grad ziemlich weit weit weg…
    tief berührend und endlich was authentisches im Netz.

    Danke
    Caroline

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    1. oh je, das tut mir leid… ich entschuldige mich für das ungewollte Resultat bei Dir. Hm, mein Schreibstil ist halt mein Schreibstil und als solcher nicht sooooo veränderlich, wenn ich authentisch bleiben will… Viel Freude beim Lesen dennoch und willkommen hier… lg s.

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