097 Dreikampf mit Trauma

Wie erklärt man in einem Satz (oder in einem Blogartikel), was denn nun das Problem im Alltag sein soll, wenn man mit Traumafolgestörung lebt? „Ist doch alles Jahre her – wieso schließt du nicht einfach ab damit und fertig?“ – Hab ich versucht. Hier ist, warum das nicht so einfach geht.

Lebt man mit Traumafolgestörung, fügt das dem Leben einen Dreikampf hinzu, den man täglich kämpft und der der Grund ist, warum traumatisiert sein so anstrengend ist, dass es einen normalen Alltag phasenweise im Leben immer wieder verunmöglicht – manchmal bis zur Arbeitsunfähigkeit oder Beziehungsunfähigkeit. Er besteht aus:

  • Kompensation: Dinge tun, um Fähigkeiten auszugleichen, oft „damit keiner was merkt“. Ich habe Blackouts? Ich kompensiere sie durch schriftliche Notizen bei / nach wichtigen Terminen – Zeit, die ich nicht verwenden müsste, wenn ich keine dissoziativen Amnesien hätte (bzw. nicht mehrere Ichs in einem Körper koordinieren müsste, „damit keiner was merkt“.) Ich habe Probleme mit Spannungszuständen oder kann nicht schlafen? – Ich kompensiere das mit Medikamenten, die ich nicht nehmen müsste, wenn ich den Traumaschaden nicht hätte. Ganz viel vom Skills-Training fällt hierunter.
  • Vermeidung: Dinge nicht tun, weil sie zu Panikattacken, Flashbacks (173), Stupor, Selbstmordgedanken führen könnten. Jemand bekommt regelmäßig Panikattacken in Menschenmengen und beschließt daher, Großveranstaltungen und Ubahn-Stationen zu meiden. Ein Glas Wein zu trinken, weil man gestresst ist, könnte man sowohl als (ungesunde) Kompensation sehen, als auch als Vermeidung eines Überforderungsgefühls, das verschwindet, wenn man Alkohol drauf kippt. Selbst kleine Konflikte werden als übermächtig bedrohlich erlebt? Man meidet anfangs Auseinandersetzungen, bis man merkt, dass zwischenmenschliche Kontakte grundsätzlich Miniaturkonflikte einschließen. Ab da meidet man Menschenkontakte. Viel davon passiert ungeplant: Ich meide abends mein Bett und hänge lange im Wohnzimmer rum – und kann nicht mal genau benennen warum. Das Skills-Training hat auch hier einiges zu bieten: Tagesstrukturvorschläge etwa (man meidet abends TV – Horrorfilme am meisten – um das Einschlafen zu erleichtern). Fotoalben anzusehen, um unangenehme, unkontrolliert auftauchende Gefühle zu vermeiden / vertreiben, ist immer eine gute Sache – wie etwa unser Wohnzimmer in Afrika im Beitragsbild: Dort habe ich vor einigen Jahren viele sehr entspannte Stunden verbracht… und es ist bis heute irgendwie wirksam, dieses Bild abzusehen.
  • Dissoziation: Wenn ich nicht kompensieren oder vermeiden kann, knipst sich die Dissoziation an. Ich kann Angefasstwerden bei Sicherheitskontrollen am Flughafen weder kompensieren, noch vermeiden, daher dissoziiere ich. So komme ich durch die Sicherheitskontrolle. Ein Gespräch wird zu stressig und ich will den Körper nicht physisch in Sicherheit bringen (Therapiestunden eigenen sich da ganz hervorragend!)? – Mein Körper entstöpselt sich von mir (Depersonalisation) und der Rest des Gesprächs fühlt sich total nebelig an (Derealisation), beides Formen von Dissoziation.

Kompensation ist eine feine Sache. Wer darin gut ist, führt mit Traumaschaden ein nach außen recht normales Leben. Die Grenze der Kompensation ist ihr Kraftaufwand (den man nach außen oft nicht sieht) und ihr Zeitaufwand: Ich verbrauche sehr, sehr viel Arbeitszeit für Dokumentation, viel mehr als Kollegen das tun müssen. Ich schaue vor jedem Telefonat in den Mailverlauf mit dieser Person, weil ich eben oft nicht weiß, was ich (oder jemand anders aus ∑ich) mit der Person zuletzt vereinbart hat. Jedem Treffen folgt eine kurze Mail mit den wichtigsten Stichpunkte unseres Meetings (meine Geschäftspartner lieben mich dafür – aber es braucht Arbeitszeit). Kompensation fühlt sich oft so an, als würde ich den ganzen Tag über mit jemandem Schritt halten wollen, der mühelos viel schneller geht als ich. Von außen sehe ich aus, als würde ich ohne Anstrengung meinen Alltag leben.

Genauso wenig ist Vermeiden grundsätzlich schlecht. Es schützt einen vor Überforderung und ist ein ganz normales Lernergebnis, das auch traumafreie (falls es sowas überhaupt gibt?) Menschen tun: Wer sitzt schon gern im Luftzug, wenn es auch andere Sitzplätze gibt? Ich persönlich finde Vermeiden nur dort „schlecht,“ wo vor lauter Vermeiden nichts mehr vom Leben übrig bleibt oder mich das Vermeiden von guten Dingen abhält. Es wäre ziemlich schlecht gewesen, wenn meine traumabedingte Vorsicht vor Intimität mich vor der Beziehung zu meinem Mann abgehalten hätte. Das wäre ein traumabedingt einsames Leben geworden. Gott sei Dank ist mein Mann, wie er ist – und wurde vom Universum mit einer wesentlichen Heilungserfahrung geliefert, sodass ich ihn nach nur wenigen Wochen Beziehung nicht mehr vermeiden musste, sondern unsere Zweisamkeit seitdem genießen kann. Viele Jahre vor meiner ersten Therapiestunde hatte ich also sowas wie erfolgreiche, lebensentscheidende Traumaheilung in einem Teilbereich – zu einem Zeitpunkt, wo ich nichts von einem Trauma ahnte. Klingt schräg? Ist es auch.

Ist Dissoziation grundsätzlich schlecht? Das ist eine schwierige Frage. Fachleute unterteilen in Alltagsdissoziation (das kann jedes Gehirn) und pathologische Dissoziation: dissoziative Amnesien, Stupor, Fugue, dissoziative Empfindungs- und Bewegungsstörungen usw. Ja, wahrscheinlich ist pathologische Dissoziation immer schlecht – ich bin halt drauf angewiesen: in meinem Beruf, in meinem Privatleben.

Dissoziation
Dreikampf mit Trauma: Kompensation, Vermeidung, Dissoziation – je fetter die Säule, desto großer der Kraftaufwand

Du möchtest Dich gern weiter informieren, wie es sich mit Trauma lebt? Der Film SIEBEN STUNDEN ist dafür sehr empfehlenswert: 108 und folgender Blogartikel: 159 eine Million Schreckerlebnisse

Traumadilemma

SW nannte mir zwei einfache Gleichungen:

  1. Je mehr Stress im Alltag, desto mehr Dissoziation.
  2. Weniger Vermeidung (und ich füge hinzu: und weniger Kompensation) = mehr Dissoziation.

Leider muss ich nach 18 Monaten Prüfung sagen: Die Gleichungen stimmen: Ich dissoziiere so häufig, weil mein Alltag stressiger ist, als er für Menschen mit meinem Level an Traumaschaden sein sollte. Es ist eine Wahrheit, die mir ganz und gar nicht in den Kram passt.

Das heißt, ich habe schon vor 18 Monaten gelernt, was ich tun sollte, um meine vorrangigen Symptome zu lindern: Vermeidung hoch, damit ich nicht so viel kompensieren und dissoziieren muss. Mir gelingt es nicht so gut, diese Erkenntnis im Alltag umzusetzen:

  • Ich müsste aufhören zu arbeiten. (Weniger arbeite ich ja bereits.)
  • Ich müsste mein Kind mehr in Fremdbetreuung geben.
  • Das Umsetzen würde mich vom Leben abhalten – und das möchte ich nicht als Therapieergebnis.

Dilemma. Traumadilemma… Hat jemand einen Tipp für mich?

Ähnliche Artikel weiterlesen? 158, 072 und 088

32 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hummelinchen sagt:

    Ich glaube nicht, dass es hilfreich ist, mehr in die Vermeidung zu gehen, um dadurch weniger zu dissoziieren. Denn wie du schon schreibst: das verhindert auch das Leben an sich. Meine aktuelle Lebensgestaltung wäre dafür ein passendes Beispiel. Ich finde das nicht erstrebenswert.
    Der Knackpunkt liegt im täglichen Stresslevel. Stress entsteht meist im Kopf. Je nach dem wie ich eine Situation, einen Gedanken oder ein Gefühl interpretiere, löst das mehr oder weniger Stress aus. Ich kann den Stress senken, indem ich die jeweilige Situation neutral betrachte. Völlig ohne Bewertungen und Interpretationen. Und mir dabei immer wieder klar mache, dass ich im Jetzt bin und dass die jetzige Situation nichts mit der Vergangenheit zu tun hat. Jede Situation ist eine neue Situation. Ohne Vorahnung aufgrund erlebter Erfahrungen. Wie ein leeres Blatt Papier, das jetzt erst mi Text oder Bildern gefüllt wird. Achtsamkeit und inneres Bewusst-sein sind für mich hier die Schlüsselwörter.
    Und wenn ich etwas willkommen heiße, gibt es keinen Grund, wegzulaufen.
    Die Schwierigkeit bei DIS ist allerdings, dass das alle aus Summe Ich erkennen und lernen müssten. Im Jetzt zu sein. Nicht in der Vergangenheit.
    Es könnte ein therapeutisches Ziel sein, die Ichs in die Gegenwart zu holen und für jedes einzelne die Vegangenheit dadurch abzuschließen. Das ist sicher nicht einfach. Es braucht Zeit und eine einfühlsame, kompetente Unterstützung und Begleitung.
    Vielleicht könnte auf diesem Weg dauerhaft eine innere Sicherheit hergestellt und Dissoziieren reduziert werden.
    Das ist jetzt nur ein Gedanken-Model von mir, wie es gehen könnte. Muss natürlich nicht für jeden stimmen.
    LG Hummelinchen

    P.S. Die Zeichnungen zu den verschiedenen Lebenssituationen finde ich toll. Sehr gut dargestellt. 🙂

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    1. Hallo H,
      danke für Deinen Kommentar… Wenn ich noch ein weiteres Bild für Dich zeichnn würde, dann würde ich den Balken „Leben“ weniger dick (und schwer) malen, und dafür die Vermeidungssäule ganz dick, wenn ich Dich richtig verstanden habe?

      Ich denke, es kommt drauf an, in welcher Situation man sich gerade befindet. Ich verstehe, was Du beschreibst, aber ich denke auch, dass mein Stress nicht unbedingt bei mir im Kopf entsteht: Ich bekam den Satz vor etwas über einem Jahr gesagt – zu einem Zeitpunkt, zu dem ich 40-70h pro Woche gearbeitet habe plus mein pubertäres Kind ❤ – und einen Ehemann, der selbst auch sehr viel arbeitet und frühestens um 20 Uhr heimkommt. Ich vermeide Stress nicht gerade.
      Diese Schwierigkeiten mit einzelnen Interaktionen kenne ich auch, aber zum Glück läuft der Großteil meines Lebens nicht so.
      "Man muss bestimmte Anteile in die Gegenwart holen," liest man überall – für mich fühlt es sich (bisher?) nicht so an, als würden da manche aus ∑ich etwas in der Vergangenheit stecken – also ich meine damit das Alltagsteam – die fühlen sich alle an wie 2018. Mein eigenes Gefühl ist hier nicht das, was in den Lehrbüchern steht.
      Alles Liebe, s

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      1. Birke(von)Zeitenmosaik sagt:

        Hi, mein AlltagsTeam steckt auch nicht in der Vergangenheit, doch viel mehr als ich wirklich bisher andere ICHs mit Konturen erkenne, glaube ich, dass parallel zum AlltagsTeam ganz viel-e (in) Vergangenheit läuft. Und dass deshalb manches so anstrengend ist, weil halt nicht nur ein gegenwärtiges AlltagsTeam im Alltag ist, sondern auch immer, fast immer, jedenfalls oft, traumanahe Anteile, die gleichzeitig mit ihrem Blick auf den Alltag gucken

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    2. xxx sagt:

      hey du,

      ich habe mir zu dem vermeidungsthema in letzter zeit viele gedanken gemacht und der punkt zu dem ich gekommen bin ist folgender:

      – ich muss mehr vermeiden (siehe gleichung), und mir fallen lebensbereiche ein in denen ich das auch könnte
      – es liegt bei mir, mit allen zusammen die da lust drauf haben die vermeidung zu gestalten
      – ich kann versuchen bedürfnissen die ich in aktiver zeit verfolge anders entgegen zu kommen, sodass sie sich mit der vermeidung decken
      –> ich plane zeit für vermeidung (-skompensation) allein (sprich ohne übliche reize und triggermöglichkeiten) ein die ich mir mit gemütlichkeit, kreativität (für mich: malen, musik machen) und empfindungen (schmecken, riechen, fühlen) gestalte, sodass sich diese zeit nicht wie „verlorene“ oder ungenutzte zeit anfühlt, sondern in ihr eine andere art von „leben“ stattfindet
      –> ich strukturiere meinen alltag so um dass diese zeit platz findet und entweder explizit überfordernde (also dis auslösende) arten zu leben ersetzt oder solche deren zugrunde liegende bedürfnisse ich auch auf oben beschriebene art und weise anders erfüllen kann
      (anmerkung: bei mir geht es gerade explizit um das reduzieren der dissoziation)

      vielleicht bringt diese art der betrachtung ja einen netten denkanstoß oder sowas ähnliches 🙂

      liebste grüße
      xxx

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      1. Hallo xxx, ja, auf ähnliche Änderungen im Alltag bin ich auch gekommen. Ich finde des schwer, denn solange es einem schlecht geht, heißt es: „Ändern Sie doch einfach…“ und wenn man das macht, heißt es: „Jetzt funktionieren Sie doch bitte besser.“ Das ist jedenfalls mein Gefühl…? lg s

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  2. sternenstaub sagt:

    Hallo Sonrisa,

    das mehr vermeiden funktioniert eh nicht, es ist doch schon alles im Kopf, so ist jedenfalls unser Empfinden. Weniger und auch nicht arbeiten haben wir ebenfalls probiert, dass war eher nicht hilfreich. Vermeidung ist in unseren Augen ein Schritt zurücktreten, die Traumawelt hat sich diesen Raum sofort genommen. Es macht hier Angst, dass es so ist. Wir wissen nicht wie man schafft Platz im Kopf zu bekommen, wir versuchen weiter zu laufen, obwohl es nicht zu gehen scheint. Wir möchten uns nicht noch mehr durch die komplexe Traumatisierung einschränken lassen. Wir wünschen Dir mehr Raum und Bewegungsfreiheit zu bekommen.

    l.g. sternenstaub

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    1. Hallo, es steht für mich eigentlcih außer Frage, die Arbeit ganz aufzugeben. Aber mein Arbeitsumfeld etwas ruhiger gestalten – das wäre sicherlich sinnvoll…
      Ich empfinde das gerade nicht so mit der Stundenreduktion – dass sich die Traumawelt die freie Zeit sofort krallt… ich habe Zeit, den Himmel anzuschauen… bei mir ist Arbeit vielleicht Vermeidungsmechanismus Nr. 1 – es fordert meine Konzentration enorm und so poppen da niemals Altlasten auf. … ist sicher bei jedem anders…?
      lg s

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      1. sternenstaub sagt:

        Hallo Sonrisa,

        unser Arbeitsumfeld haben wir auch ruhiger gestaltet, Personal entlassen und Selbständigkeit nach 18 Jahren an den Nagel gehangen. Jetzt im Angestelltenverhältnis mit guten Bedingungen (wenig Stress, geregelte Arbeitszeit, Urlaub möglich wann wir wollen) unterwegs, endlich wieder mit einem sozialen Netz über dem Abgrund. Vorher gab es noch nichteinmal Krankengeld.

        Es ist einfach das Gefühl da, dass wir schwächer werden, wo es früher noch ging Raum für uns freizuschieben, haben wir heute keine Kraft mehr. Irgendwie ermüdet, noch mehr zerbrochen als es jemals sich angefühlt hat, ist es zur Zeit. Wir sind immer sehr früh aufgestanden, um den Schutt der nacht wegzuschieben, dass Wege wo man den Tag über laufen kann entstehen. Heute geht das nicht mehr, wir torkeln durch den Tag, fallen oft ganz raus.

        Wahrscheinlich liegt es am Alter und abnehmender Kraft, gehen schon auf die 60 zu.

        l.g. sternenstaub

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        1. Hm… weniger Kraft für den Alltag in der Langzeitentwicklung – kenne ich leider…

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        2. Darf ich fragen, wie alt du warst, als du angefangen hast, beruflich bewusst zurück zu schrauben?

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        3. sternenstaub sagt:

          Hallo Sonrisa,

          dass war etwa 2006, da waren wir 45 Jahre alt. Der Ausstieg aus der Selbständigkeit ist uns erst 2016 gelungen. Von 2010 an hatten wir kein Personal mehr angestellt.

          l.g.

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  3. Ich habe auch keinen Rat, würde aber alles was du beschrieben hast unterschreiben! Ich fühle mich meist im selben Dilemma und dann frage ich mich, wozu Therapie? Deren Ziel ist, was ich unter keinen Umständen will! Arbeit aufgeben ist auch für mich oder uns ein No Go. Also weiter dreifache Anstrengungen damit keiner was merkt… aber kann man das wirklich bis ins Alter durchhalten? Ich stelle fest mit jedem Jahr das ich älter werde, schmelzen die Kraftreserven mehr. Ausweg? Noch nicht gefunden 🙁

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  4. A/Part sagt:

    Richtig liebe Sonrisa.
    So sehe ich es auch. Die Arbeit ist Vermeidungsstrategie und auch, wenn sich Traumagedönse sich dann einen Teil dieser Zeit unter den Nagel reißt, kann das nur heißen, dass dafür auch der Platz gebraucht wurde.
    Arbeit kann Vermeidung sein und Ablenkung und eine Art wegrennen.
    Wäre es so schlimm, die offizielle Arbeit durch eine inoffizielle zu ersetzten? Die Arbeit am Trauma, die Arbeit daran sich einLeben aufzubauen, dass eben nicht nur darauf fußt?
    SChau, du sagst das Umsetzten würde dich vom Leben abhalten. Aber warum? Für mich ist das widersprüchlich denn das Leben könnte dann erstmal anfangen.
    Mir hat mal ein Gutachter zur Rente gesagt, dass die Rente schon allein dann sinnvoll ist, wenn man sein Leben für die Arbeit zurückstellen muss. Wenn es kein Leben gibt, außer der Arbeit. Weil die Arbeit schon alle vorhandenen Ressourcen auffrisst.
    Dann braucht man mMn Platz und Ruhe und Zeit um sich ein Leben zu erobern, das es so bisher nie gab.
    Leider sehen viele „Normalos“ das nicht als Arbeit an. Da kommen dann dumme Fragen wie „Und was machen Sie den ganzen Tag?“ Wenn ich mutig bin, antworte ich schon mal „überleben“.
    Vermeidung ist ja eigentlich nie gut und daher…. ist der Schluss doch eigentlich logisch, oder? Und ich sehe hier im Bezug auf nicht-arbeiten (oder nur ganz wenig) keine Vermeidungsstrategie sondern eine gezielte Lösungssuche für DEIN Leben.
    Therapeuten sagen: Alles, was bewusst entscheiden und abgewogen wird ist keine Vermeidung sondern eine Entscheidung dagegen.
    Wenn ich zB also erstmal nachdenke, ob ich mir heute den Weg irgendwo hin im vollen Bus/Bahn zumuten möchte und ich zu dem Ergebnis komme, nein heute packe ich das nicht, ist das keine Vermeidung!
    HOffe jetzt nicht noch mehr Verwirrung gestiftet zu haben.
    Mit lieben Grüßen

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    1. Birke(von)Zeitenmosaik sagt:

      @A/Part. Sehe es mit der Vermeidung genauso. Bzw. erlaube ich mir auch, etwas zu vermeiden. Das hat für mich dann aber nicht mehr den negativen Beigeschmack des Symptoms „Vermeidung“, sondern es ist eine bewusste Entscheidung für mich-uns, um Stress zu reduzieren und weniger zu dissoziieren bzw auch um den Körper zu entlasten. Mehr und mehr habe ich den Körper im Blick, der alles leistet. . Im Moment noch, doch wie lange? Den kostet vieles ja auch unheimlich Kraft.

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  5. echtjetzt? sagt:

    Puh, schwieriges Thema-auch bei mir. Wenn ich arbeite, dann fühle ich mich meistens großartig oder eben einfach normal. Jetzt in den drei Wochen Sommerferien mit Mann und Kindern merkte ich mal wieder, wie schwer mir der Alltag fällt, da ich dann viel mehr fühle. Ich könnte mir vorstellen, dass, wenn ich gar nicht mehr arbeiten würde, irgendwann sich trotzdem eine Verbesserung einstellen würde, wenn ich mehr Zeit investiere für Skills (Sport, rausfinden, welcher Entspannungskram für mich passen würde, gute Ernährung, etc).
    Ich habe im Laufe der Jahre unbewusst einen Kompromiss angesteuert. Unbewusst deshalb, weil ich ja meine Diagnose noch nicht soo lange habe.
    Ich habe jetzt einen eher ruhigen im Gegensatz zu früher etwas langweiligen und vorhersehbaren Job. Keine Dienstreisen mehr, kein Diensthandy, keinen Firmenwagen, aber im Kern dennoch die gleiche Tätigkeit. Es ist weniger Geld, da öffentlicher Dienst und somit auch weniger vermeintliche Freiheiten wie früher mal in der Selbstständigkeit.

    Aber unterm Strich war das für mich die Lösung. Trotzdem arbeiten mit wesentlich weniger Stunden als früher und die Kinder auch unter der Woche an zwei Nachmittagen fremdbetreuen lassen. So habe ich auch unter der Woche Nachmittags mal eine Stunde für mich für Sport oder Netflix oder in Ruhe Lebensmittel einkaufen ohne in Hetze zu sein. Das mache ich auch erst seit Anfang des Jahres so, aber es fühlt sich ganz gut an. Also gut ist übertrieben, aber so ist alles aushaltbar und schaffbar. Wie es dauerhaft „gut“ oder normal werden könnte, außer in wenigen Augenblicken, habe ich immer noch nicht raus.

    Selbst schöne Dinge, die ich mache, wie am Strand sitzen, mit den Kindern ein Eis essen, etc. sind doch meistens davon gesteuert, die unguten Gefühle zu vermeiden oder den Tag „irgendwie rum“ zu kriegen auf eine bestmögliche Art und Weise.

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  6. Hummelinchen sagt:

    Es kommt doch immer auf den Blickwinkel an und wie ich – auf den Blog-Text oben bezogen – Vermeidung und Stress definiere. Wie schon geschrieben, muss Vermeidung nicht immer schlecht sein. Vermeidung kann in einzelnen Situationen auch vor Überforderung schützen. Ich kann in jeder Situation neu entscheiden und habe dabei die Wahl, ob ich mich mit der getroffenen Entscheidung gut oder schlecht fühle. Wenn ich mich oder jemand anderes im Innen sich damit schlecht fühlt, verursacht das Stress und kostet Energie.
    Bis zu einem gewissen Grad ist Schutz durch Vermeiden sinnvoll. Nimmt er jedoch zu viel Raum ein, wird dadurch der Alltag zunehmend eingeschränkt.
    So ist es bei mir der Fall. Ich bin berentet, habe nur eine Handvoll Kontakte, nehme nicht an kulturellen Veranstaltungen teil, verreise nicht usw. Die einzige Verpflichtung, die ich habe, ist die Verantwortung und Fürsorge für mich und meinen Hund. Ich führe ein stressarmes Leben und nutze jetzt die Zeit, um mich mit dem, was da in mir schlummert und rumort, zu beschäftigen. Zum einen ist dieses stressarme Leben angenehm, weil es schön ruhig verläuft. Zum anderen fehlt in meinem Alltag aber eine ganze Menge (Er-)Leben, was bei genauer Betrachtung ganz schön traurig macht.
    Daher arbeite ich jetzt daran, langsam meine Grenzen wieder zu erweitern und Aktivitäten, die schwierig für mich sind, wieder in meinen Alltag einzubauen. Dabei versuche ich, achtsam zu sein. Versuche zu fühlen, was in mir passiert. Versuche zu erkennen, wie die anderen Ichs in mir reagieren (also ob es irgendwelche Verhaltensmuster gibt) usw. Alles, um zu verstehen, wer wann wie (re-)agiert und wie wir gemeinsam ein befriedigendes Ergebnis hinbekommen.
    Ich habe diesen Weg gewählt. Mein Leben erstmal auf Null zurückgesetzt und nun wird langsam die Geschwindigkeit und Belastung wieder erhöht. Dieser Weg ist nicht für jeden möglich, eben weil er/sie Verantwortung in der Familie, Arbeit etc. trägt. Jeder kann nur für sich selbst prüfen, was am besten passt. Das ist ja ganz individuell.
    Ich finde es nicht sinnvoll, einfach alles über Bord zu werfen. Stattdessen könnte man nach Wegen suchen, wie der Energie raubende Stress vielleicht in Energie spendenden Stress gewandelt werden kann. Z.B. über Veränderung der jeweiligen Situation oder des eigenen Blickwinkels bzw. der eigenen Einstellung dazu.
    Was brauche „ich“, um entspannt und mit Freude zu arbeiten, soziale Kontakte zu pflegen etc.? Dafür muss ich wissen, wodurch Ängste, Blockaden oder Dissoziationen im Innen ausgelöst werden. Ich komme meiner Meinung nach nicht darum herum, mich mit meinem Innen und den anderen Ichs auseinander zu setzen. Denn solange noch irgendwer in meinem Inneren sich schlecht fühlt und Entscheidungen, Situationen, Gefühle etc. abwehrt, wird mich das Kraft kosten. Kraft, die mir für Anderes im Leben fehlt.
    Ich weiß nicht, ob meine Gedanken für euch nachvollziehbar sind.

    Sorry, dass der Text jetzt so lang geworden ist. Kürzer kann ich es aber nicht erklären.

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    1. Mega like!!! Vielen Dank für diesen Text. S

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    2. Birke(von)Zeitenmosaik sagt:

      @HummelinChen. Klingt bisschen so wie ich es auch für mich als richtig empfinde. So weit wie möglich auf null setzen und neu starten. Wie lange ist bei dir-euch vergangen zwischen auf null setzen und dann wieder dem Bedürfnis, langsam wieder die Grenzen zu erweitern?

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      1. Hummelinchen sagt:

        Puh…das lässt sich gar nicht so einfach beantworten. 2009 bekam ich die Diagnose DIS. Die Rente folgte 2011. Bis 2014 habe ich damit gehadert und wollte aus dem Leben und vor all dem, was da in mir ist, fliehen. Essstörung, Selbstverletzungen etc. bis zu einem absoluten körperlichen Tiefpunkt. Dieser schenkte mir 2 wundervolle Schlüsselerlebnisse, die in meinem Leben die Wende brachten. Seit dem geht es in Wellen mal auf und mal ab. Mal trete ich aus meiner Komfortzone heraus, mache neue Erfahrungen und verschwinde bei Misserfolgen wieder für längere Zeit in meinem Schneckenhaus. So ging es mir z.B. 2015 sehr gut, 2016 ging es wieder abwärts und 2017 war es dann katastrophal mit viel Dissoziieren und extremem Vermeidungsverhalten, um die Dissoziationen irgendwie wieder in den Griff zu bekommen. Erst seit Oktober 2017 bin ich erneut dabei, mich nach draußen zu wagen und mich umzuschauen. Das Vermeindungsverhalten ist aber nach wie vor ausgeprägt. Inzwischen gehe ich aber sehr behutsam vor, wenn ich meine Grenzen erweitern möchte. Lieber in ganz kleinen Schritten. Alles andere überfordert sehr schnell mein komplettes inneres System.

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        1. Birke(von)Zeitenmosaik sagt:

          @Hummelinchen. Danke für deine Offenheit. Drei Jahre hadern. . Wobei das auf die Rente bezogen klingt, nicht so sehr auf die DIS?! Klingt aber so, dass es ab Oktober 2017, also acht Jahre nach DiagnoseStellung ein gutes, akzeptierendes Bewusstsein dafür gibt, was geht und wie es gehen kann: in kleinen Schritten. Habe inzwischen von einigen mit DIS gehört, die von etwa zehn Jahren nach DiagnoseStellung sprachen, bis sie für sich und ihr System nen gutes Gefühl und Einsicht und Annahme hatten, was geht und was nicht. Und sich teilweise dann wieder auf den Weg gemacht haben so ganz langsam. . auch in Richtung MiniJob oder 450 Euro Basis. . Am Anfang dachte ich, zehn Jahre sind lang, doch es braucht wohl alles seine Zeit. Danke

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        2. Hallo, ich denke nicht, dass man da einen Richtwert haben kann oder einen Durschnittswert bilden sollte, an dem man sich orientiert… Die Zeitdauer der Traumatisierung ist bei Menschen mit DIS sehr unterschiedlcih, auch die Intensität der Traumatisierungen (wenn man das so messen „will“)… was ich auch entscheidend finde: Wie viele Ressourcen „neben dem Trauma“ gab es damals und gibt es heute? – Das ist ein Riesenunterscheid. Wie intelligent und lernbereit ist jemand? – Alles Dinge, die man sich nciht aussuchen kann…
          Ich würde mich aber wünschen, jeder mit so schweren Traumatisierungen dürfte sich die Zeit nehmen, die er individuell
          braucht.
          Lg s.

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        3. Birke(von)Zeitenmosaik sagt:

          Mir hilft eine Orientierung und die Erfahrungen von anderen diesbezüglich, weil ich sonst noch mehr mit meinem eigenen Anspruch konfrontiert wäre, dass alles ganz schnell wieder funktionieren müsste. . Und so höre ich und beruhige mich damit: Andere brauchen auch Zeit

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        4. Ah ja, das ist wichtig! 🙂 LG s

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  7. Katzenherz sagt:

    Ja, das ist tatsächlich ein schwieriges Thema. Ich habe auch jahrzehntelang voll gearbeitet und ziemlich stressige Jobs gehabt, in denen ich mich, meinen Chef und die Abteilungen organisieren musste. Da war viel Wertschätzung und Erfolg, leider habe ich aber zu spät erkennen wollen/können, dass ich direkt in den Abgrund steuere. Erst musste ich stationär, dann feststellen, dass eine Wiedereingliederung scheitert und ich dachte ich muss es dennoch durchziehen. Alltag und normales Leben halt, nur ist mein Leben eben nicht normal, sondern unglaublich anstrengend und kräftezehrend. Also musste ich erkennen, dass ich wohl vorerst nicht mehr arbeiten kann. Der Rentenantrag hat mich auch in eine Krise gebracht, aber es war die einige Chance etwas ändern zu können und mehr für eine Gesundung zu tun.

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  8. sophie0816 sagt:

    Einen Tipp habe ich nicht. Nur eine Erfahrung.
    Mein Weg in die Vermeidung, als Schutz und Energieeinsparung, erlebe ich über die Jahre beweglich. Oder organisch. In diesem Jahr war wieder mehr möglich.
    Die Grenzen sind nicht starr. Das Geländer der Möglichkeiten immer anders. Das was ich aufgeben musste, durch Vermeidung, findet sich neu, jedoch meist an anderen Orten.

    Trotzdem war da auch erstmal ein riesen Schmerz, das anzuerkennen, dass Teilhabe am Leben so eingeschränkt ist.

    Ja-sagen zu allem was ist, hilft mir oft. Mich auf das Gute darin fokussieren oder es suchen, auch.

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  9. lecram82 sagt:

    mag dir zu zwei punkten ein was schreiben:

    „Ist Dissoziation grundsätzlich schlecht? Das ist eine schwierige Frage. Fachleute unterteilen in Alltagsdissoziation (das kann jedes Gehirn) und pathologische Dissoziation: dissoziative Amnesien, Stupor, Fugue, dissoziative Empfindungs- und Bewegungsstörungen usw. Ja, wahrscheinlich ist pathologische Dissoziation immer schlecht – ich bin halt drauf angewiesen: in meinem Beruf, in meinem Privatleben.“

    da bin ich (zumindest im moment) etwas anderer meinung:

    ich habe es in der klinik mitbekommen dass das auftauchen von (wie ich hier bei dir mal so schön gelesen habe) parts stuck in trauma-time bei mir immer ganz nah oder im disssoziieren stattgefunden hat. dank der lieblingspflegerin die dann ganz gezielt und entspannt mit diesem gesprochen hat und gefragt hat wer denn gerade da ist gab es so etwas wie ich bin da, aber gleichzeitig auch der stuck in… anteil und sie hat ihn versorgt und mich soweit möglich mit einbezogen.und dadurch gab es momente sehr berührender selbstsfürsorge(und das kann ja auch bedeuten das man überhaupt zulässt das jemand anders sich kümmert) und selbstannahme…

    und ich habe ja durch inzwischen 1,5 jahre dbt-gruppe und seit über 2,5 jahren einzel wirklich lange daran gearbeitet nicht zu dissozieren und immer zu skillen wenn es sich anbahnt – bin aber nun für mich zu dem schluss gekommen: ja, das skillen und durch ne hohe steuerungsfähigkeit in der lage zu sein dissoziative zustände zu vermeiden ist eine fähigkeit die ich für den alltag nicht missen möchte.

    aber: es immer nur zu vermeiden weil es ja so „psychopathologisch krank“ ist: nein, das ist für mich nicht stimmig, den (für mich natürlich) sind die parts stuck in trauma-time ganz nah an diesem dissoziativen – denn sie sind ja in allerallergrößter not. und wenn ich mit den anteilen „arbeiten“ möchte die da sind und offensichtlich (meiner und externer) unterstützung bedürfen gehört das driften an der grenze zum dissozieren wohl dazu.

    situation mit lieblingspflegerin:

    zu ihr weil sehr aufgewühlt und gespürt das es ins dissozieren reingeht… sie mich über ne std versorgt..mir raum gegeben… und als ich dann wieder soweit stabil war:

    „lamorada, ich möchte sie jetzt wirklich nicht klein machen oder bevormunden aber… ich möchte ihnen anbieten das sie sich hier hinten auf die liege legen können, wenn sie möchten decke ich sie zu und mache ihnen eine wärmflasche und sie können hier einfach mal in sicherheit sein, vielleicht müssen sie jetzt auch einfach mal in die dissoziation rein anstatt sich gegen sie zu wehren und auf krampf dazubleiben… ich mache hier nebenbei die medikamte, schaue immer wieder nach ihnen und bin da wenn sie mich brauchen…“

    und dann lag ich da…ich weiß nciht mehr obs ein oder zwei stunden oder was dazwischen war aber: diese zeit war erholsamer und kraftspendender als die letzten 3 oder 4 nächte davor…

    hach krass, gänsehaut, tränen, erinnerung…aber darf sein.

    so und das zweite:

    „Das Umsetzen würde mich vom Leben abhalten – und das möchte ich nicht als Therapieergebnis.“

    ist das nicht auch eine frage davon was man als leben für sich definiert?

    ich musste vor einigen jahren auch meine selbstständigkeit aufgeben aus gesundheitlichen gründen… war dann bei einem therapeuten der mir auch sehr schnell klar gemacht hat „lamorada, arbeiten ist für sie nichts anderes als eine droge – und wenn sie mir jetzt sagen es soll meine aufgabe sein sie möglichst schnell wieder konsumfähig zu machen – dann werde ich nicht mit ihnen arbeiten. sie werden ne ganze weile nicht arbeiten“

    das war damals hart, aber inzwischen sehe ich es so: meine arbeit und aufgabe ist es gerade alles mir mögliche zu unternehmen damit es mir (und uns) besser geht – und das alleine ist gefühlt ein fulltime-job.

    und die fortschritte die ich in den letzten jahren gemacht habe wären für mich glaube ich so nicht möglich gewesen wenn ich nicht durchs (fast nicht-)arbeiten den raum, die energie und die zeit (die sonst ja fürs arbeiten und funktionieren „draufgehen“) gehabt hätte und weiterhin habe.

    auch ich möchte mich wieder selbstständig machen, arbeiten und „ein ganz normales leben“ führen – aber nicht um den preis in ein paar jahren dann wieder vor einem scherbenhaufen zu stehen weil ich in dieser phase meines lebens in der ich jetzt bin nicht den mut und die geduld hatte mich mit mir auseinander zu setzen. (wobei es ja mehr ums immer mehr zusammensitzen geht eigentlich;-) )

    was ich möchte:
    mich noch ein zwei jahre immer besser kennenlernen
    therapie machen (sowohl ambulant als auch nochmal stationär nächstes jahr)
    grenzen differenzieren: welche bringt meine struktur mit sich und sollten von mir anerkannt werden – welche lassen sich verschieben und was braucht es dafür
    ein leben aufbauen das sich so anfühlt als wenn es ein festes fundament hat auf dem sich lebenswertes aufbauen lässt. ( im gegensatz zu dem was ich weltmeisterlich kann: kartenhäuser bauen, die toll aussehen, nach außen hin funktionieren, aber wehe es kommt ein windhauch…)

    naja so jetzt mal schluss hier. ist ja dein blog und das ja ein kommentar – aber das ging mir gerade so durch den kopf (uuund ist schon kurzgefasst xD)

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    1. oh mein Gott. Was für ein wartvoller Text. Und: Wo findet Ihr solche Fachleute? Ich hatte die Erkenntnis, dass Arbeit bei mir alle Kriterien einer Droge erfüllt auch (selbst) – gesagt hat mir sowas noch nie jemand (ein Fachmann). Gleiches gilt für Dissozialtion immer vermeiden / beskillen. Ich halte beides für sehr wichtige Wahrheiten – bei mir zumindest. lg

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  10. lecram82 sagt:

    den therapeuten habe ich als empfehlung vom wirt meiner stammbar bekommen. und ja: da war er gut – hat sich aber dann durch andere geschichten auch wieder ausm rennen genommen – aber an dem einen punkt war er gut und allein das hat die begegnung gelohnt.

    und lieblingspflegerin zb hat inzwischen die klinik gewechselt weil sie in „meiner“ nicht so arbeiten konnte wie es ihr wichtig war, sie wird also beim nächsten mal nicht mehr da sein, aber da lieblingstherapeutin noch da ist und klar ist das ich zu ihr komme gehts trotzdem wieder hin.

    ich habe so das gefühl: bei ambulanten therapiegeschichten lieber praxengemeinschaften oder einzeltherapeutinnen – abstand halten werde ich in zukunft von diesen neuropsych-versorgungszentren – da es mir zu schubladig, pathologisch und krankheitsfixiert vorkommt. (wobei ausnahme und regel: meine pschiaterin ist in so einem zentrum und die möchte ich nicht missen, die hat aber auch einfach ahnung und nimmt sich zeit)

    bei klinik: ausschließlich solche die psychosomatik / psychotherapeutischen schwerpunkt haben und da hatte ich wohl auch glück: war auch ne empfehlung von nem freund der dort war und als ich jahre später die erste krise die nen aufenthalt nötig gemacht hat habe ich mich an diese erinnert und mich dort angemeldet – psychatrische angebote funktionieren für mich einfach nicht *schulterzuck*

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  11. ein frosch sagt:

    Ich lese mich immer noch durch deinen spannenden Blog 🙂 Zum Thema „aufhören zu arbeiten“ – dass das helfen würde, ist Meiner Meinung nach ein unfassbarer Fehlschluss. Ist natürlich individuell, aber um aus meiner Perspektive zu sprechen.Ich war jetzt notgedrungen 1 Jahr ohne Beschäftigung. Während ich mein Abitur nachgeholt habe, ging es mir gut, ich fühle mich stark. Okay, da war ich noch in der Verdrängung – die Symptome hatte ich aber schon. Aber es war gefühlt eher so, dass ich sie im Griff hatte und nicht umgekehrt. Das Jahr Arbeitslosigkeit hat das Blatt gewendet. Das Reinsteigern in die Flashbacks, die Angststörungen und die Panikattacken ist endlos. Bis man denkt, man verliert den Verstand. Voll heftig. Ich fühle mich jetzt komplett schwach und unfähig und habe das Gefühl, ich steige jetzt komplett zerstört in mein Studium ein. Aufhören zu arbeiten würde die PTBS meiner Meinung nach nur füttern. Der Arbeitsstress lässt nach, aber der Psycho-Stress potenziert sich massiv. Das ist aber alles subjektiv! Muss natürlich nicht für jeden gelten, aber für mich habe ich das entdeckt…

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    1. Hallo Frosch, vielen Dank für Deine Erfahrung! Ja, ich kann das nachvollziehen… Für mich (und nur für mich!) wäre das ein großer Unterschied, selbstgewählt zu reduzieren (um meine Situation zu verbessern) oder arbeitslos gegen meinen Willen zu sein (was ich einfach nur Sch§$% finden würde und meine Situation garantiert nicht verbessert).
      Magst Du erzählen, was Du mit Reinsteigern meinst?
      Ich (wieder NUR FÜR MICH gesprochen), emfinde das auch einen Unterschied, ob ich funktionieren muss in der Arbeit, und im restlichen Leben mich mal hängen lassen könnte, oder ob ich in der Arbeit funktionieren muss und DANACH noch ein Kind betreue (also wieder einigermaßen funktionieren muss) und eigentlich nur die Zeit zwischen 21 Uhr und 7 Uhr morgens bleibt, mich mal hängen zu lassen oder Flashbacks zu haben (nicht, dass sich die an einen Zeitplan halten würden…) oder stundenlang starr im Bad zu sitzen und mich nicht bewegen zu können (was sich sehr wohl an einen Zeitplan zu halten scheint bei mir). Ich glaube, daher kommt die Idee überhaupt erst…
      Alles Liebe schickt s.

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      1. ein frosch sagt:

        Hey! Also, mit Reinsteigern meine ich das: Ich habe eine ziemlich starke generalisierte Angststörung, leider mit hypochondrischer Neigung. Wenn ein Symptom auftaucht, das mir Angst macht und ich sitze viel zuhause rum (auch noch einer mega-kleinen Wohnung), dann nährt das meine Panik extrem. Also ich kann mich dann richtig gut auf das Symptom konzentrieren, dadurch verstärkt es sich, kreislauf der Angst. Oder ich fange an mir Symptome einzubilden von Dingen, vor denen ich Angst habe, weil ich halt in dieser „Blase“ zuhause sitze ohne Ablenkungen und dann kann die Panikstörung voll zuschlagen. Als ich mein Abitur nachgeholt habe, war meine Hypochondrie zu 99% verschwunden…das ist jetzt leider gar nicht mehr so. Auch in Traumabezogene Gedanken und Flashbacks werde ich hier viel stärker eingesogen. Andererseits ist zu viel Arbeit und Ablenkung auch nicht gut. Zwischen 21 und 7 Uhr früh ist wirklich sehr wenig, da wäre ich wieder komplett überfordert. Wobei ich von mir weiß, dass ich mich gerne mit Arbeit überhäufe, weil es eben diese ganzen furchtbaren Symptome lindert, dann aber auf der anderen Seite deswegen total im Stress bin. Es ist wirklich schwer da Balance zu halten. Ich habe über den Unterschied zwischen selbstgewählter und aufgezwungener Arbeitsreduktion gar nicht nachgedacht, das ist interessant. Ich glaube, von allem zu viel ist schlecht. Bin aber überzeugt, wenn dein Körper und Geist dir gerade vermitteln, dass du zu viel um die Ohren hast, wäre eine Pause und Durchatmen eine gute idee. 🙂
        Alles Liebe!

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