108 Traumafolgen, Suizid und sich vergleichen

Auf Arte derzeit verfügbar: SIEBEN STUNDEN (2018), nach dem autobiografischen Roman der Psychotherapeutin Susanne Preusker (SIEBEN STUNDEN IM APRIL), die 2009 an ihrem Arbeitsplatz, im Gefängnis, von einem ihrer Patienten stundenlang gequält wurde und im Februar diesen Jahres … nicht mehr konnte.

https://www.arte.tv/de/videos/078114-000-A/sieben-stunden/ (verfübgar bis 13.9.2018, nächste Ausstrahlung 21.9.2018 um 1:20 Uhr; danke an Luise Kakadu für den Hinweis)


Es betrifft mich, wenn Traumafolgen Menschen töten. Jedes Mal. Es fühlt sich so an, als könnte mir das auch passieren – und traumafreie Menschen wundern sich über dieses Wort: passieren. Passieren tut ein Unfall beim Klettern, aber… „Suizid passiert einem nicht. Den plant man, denkt man in Varianten durch. Suizid ist eine aktive Handlung,“ denken die.

Ich teile mir meinen Körper mit „anderen aus ∑ich,“ die weniger am Leben hängen als ich. Es gab Zeiten in meinem Leben, wo die mich mit einem Messer an der Halsschlagader nachts vor dem Badezimmerspiegel stundenlang bedroht haben (Jahre vor der DIS-Diagnose). Es gab Zeiten in meinem Leben, wo ich neben meinem Traumadreikampf (097) keine Energie mehr für die nächsten 10 Minuten Leben aufbringen konnte. Es gab 2018 einen Tag, wo mir erstmals jemand aus ∑ich ein Messer mit Tötungsabsicht durch die Haut gebort hatte – in einer sogenannten Traumaklinik. Ich bin davon geschockt-benebelt bis heute. Ich bin jetzt in dieser Minute froh, dass ich noch lebe.

Suizid ist für mich nichts Theoretisches. Nichts, was andere, aber mich nicht betrifft.  Okay, heute ist es etwas, das mich nicht betrifft. Heute war ich klettern und real überm Abgrund – ohne einen einzigen Gedanken, diesen Abgrund „zu nutzen“.
Wenn man wie ich schon mehrfach seinen Suizid geplant hatte und alle Varianten durch ist, dann ist es etwas, dass „passieren“ kann. Ich habe 1000 Gründe, um leben zu wollen. Und ich habe nur einen einzigen, um sterben zu wollen: Es soll endlich alles aufhören. Es soll endlich erträglicher sein.

Obwohl Du in diesem Blog erst zwei Artikel (052, 054) findest zum Thema Selbstmord, ist es ein immer wieder gegenwärtiges Thema in meinem Leben. War es. Wird es vermutlich immer sein.


Meine letzte Therapeutin hat meine Kompensationsmechanismen oft thematisiert:

  • wie ich trotz DIS mein Leben bisher gemeistert („gemeistert? echt??“) habe, Studium, Beziehung, Elternschaft, Erfolg im Beruf // während andere Traumapatienten auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind; wie ich es bis Mitte 20 geschafft hatte ohne jemals Kontakt mit dem Psy-Wesen zu haben, und knapp 10 Jahre später erstmals eine Psychiatrie von innen gesehen hatte // während andere Traumapatienten ihre Psychiatrie-„Karriere“ mir 14 oder 15 Jahren begonnen hatten und zusammengenommen Jahre dort gelebt haben. Diese Nachfragen hätten leicht eine „sie glaubt mir nicht“-Schleifen werden können, wenn diese Therapeutin meine Symptome nicht so anerkannt hätte, wie sie es tat. Gleichzeitig hat sie niemals Druck gemacht, ich müsste meine doch recht heftigen dissoziativen Symptome nun endlich mit Traumaerzählungen „rechtfertigen“. Ich bin ihr heute dankbar, dass beides nebeneinander sein durfte: Traumasymptome ohne Erinnerung an ein Trauma.
  • Imzuge der Versuche der symptomatischen Behandlung damals und dem Nebeinanderstellen relativ simpler Kompensationsvorschläge der Therapeutin und meinen ziemlich ausgefeilten Kompensationsstrategien, die ich jeden Tag gebrauche, damit mein Alltag so läuft, wie er läuft, damit ich so funktioniere, dass Jahrzehntelang eine DIS auch von Traumafachleuten unentdeckt blieb, dachte ich ab und an: „Wenn Sie (die Therapeutin) und ich nur einen einzigen Tag Gehirne tauschen würden: Sie würden nicht mal einige wenige Stunden damit überleben. Trotz des ganzen Traumaknowhows nicht.“

Deswegen traf mich die Filmidee von SIEBEN STUNDEN doppelt persönlich: Eine Fachfrau stirbt an Traumafolgen. Ich will nicht, dass das passiert ist! Ich will, dass Traumaknowhow mehr nützt! Mehr hilft! Mehr verhindert! Mehr kann! Ich will, dass Susanne Preusker noch lebt.

Sich mit anderen vergleichen ist selten produktiv. Weiß ich. Ich tu das auch nicht gern. Meine derzeitige Arbeitshypothese ist gleichzeitig vermutlich die Antwort darauf, warum ich mit meinem Traumamüll funktionsfähiger war (oder bin?) als andere Menschen mit Traumafolgestörung: Die aktuelle Arbeitshypothese ist,

  • dass ich eben nicht jahrzehntelang vergewaltigt wurde, sondern in einem ganz bestimmten Zeitraum;
  • sie ist eben nicht, dass meine engste Familie daran aktiv beteiligt war (auch wenn ich durch sie keine Unterstützung erhalten habe und wir bis heute über die Vorfälle damals nicht sprechen),
  • es ist ein Fakt, dass ich niemals aus Täterkreisen aussteigen musste – ich wurde per Zeitverlauf aus ihnen entfernt, ohne mein Zutun.

Und weil meine zufälligen Rahmenbedingungen so viel „besser“ (ähäm…) waren als bei Gleichdiagnostizierten, erlaube ich mir oft kein Recht auf… Leid, … auf Traumafolgen bis heute, … auf eine DIS, … auf Suizid oder auch nur einen Gedanken daran. Ich „darf“ das alles nicht, weil anderen ging es schlechter: „Meines“ war nicht schlimm genug, und vor allem: „meines“ war nicht lang genug. Was natürlich völliger Unfug ist (auf einem intellektuellen Level ist mir das klar).

Und dann gibt es da eine Therapeutin, da haben sieben Stunden gereicht. Eine einzige Begegnung hat gereicht. Ein einziger blöder Tag in ihrem Erwachsenenleben als Psychotherapeutin hat gereicht und sie war am Abgrund. Danach hat sie jahrelang gestrampelt und konnte sich nicht befreien. Das ist unvorstellbar schlimm. Erstmals seit der DIS-Diagnose wird mein „reiß dich zusammen!“ ein bisschen kleiner und ich habe ein bisschen Mitgefühl mit … anderen aus ∑ich: Sie war/en erst fünf-sechs Jahre alt. Sie war/en „dem“ ausgeliefert ohne eine einzige helfende Person – und auf unbestimmte Zeit. Es war nicht eine einzelne Begegnung, nicht ein einzelner Täter. Aus Sicht des Kindes war es Qual ohne Ende, und wenn es endlich zu Ende war, dann kam ein neuer Tag mit neuem Leid, sodass ich mit knapp 40 Jahren in einer Therapiestunde bemerke, dass das Wort Ende für mich bis heute keine Bedeutung hat. Das angebliche Ende war begleitet von fürchterlichen Drohungen, die die Brücke schlugen zwischen dem Leid von gestern zu dem von heute und dem Leid von heute zum Leid, das morgen kommen wird. Das Fehlen der Bedeutung von Ende unterminiert mein Sicherheitsgefühl bis heute – und ich kann das nicht mal schnell nachlernen oder nachfühlen.

Ich muss mich nicht umbringen, es gibt für mich auch noch eine andere Version von „es ist vorbei“ – irgendwie, irgendwann. Auch wenn man sich nicht umbringt, war „es“ unvorstellbar schlimm.

So, und nun schaue ich den Film. (… hier geht’s zur Filmkritik)


Wie geht es Dir mit Vergleichen mit anderen traumatisierten Menschen? Ist das jemals hilfreich? Und wieso macht man es trotzdem immer wieder, auch wenn man eigentlicht will oder dran glaubt, dass es produktiv ist?

41 Kommentare Gib deinen ab

  1. Die Sturmreiter sagt:

    Ups , das is heftig…
    Eine Begegnung und sieben Stunden reichen aus…waren die Gedanken.
    Aber nur ganz kurz.
    Dann: Ja, aber (passiv-aggressiv :))…
    Der is ja auch was gaaanz Schlimmes passiert. Uns nich!
    Und wieder das geheule im Innen, weil nich gesehen…
    Aber so ganz stimmt das nich.
    Es wird durchaus gesehen. Sogar gefühlt. Ja, es fühlt sich schlimm an.
    Sie fühlen sich schlimm an, diese Peanuts.
    Aber es ZÄHLT nicht.
    Nein, weil es objektiv nichts schlimmes war, was gerade so weh tut.
    Also wirklich!
    Wenn sich hier jeder wegen SO WAS aufregen würde!
    Wo kämen wir da hin!!!!
    Und ich spreche jetzt nur von dem, was grad da ist.
    Kein Plan, ob da drunter nun noch mehr ist oder nicht.
    Ja, S, das mit dem vergleichen is echt ma fürn A****…
    LG A

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  2. Danke für euer Mitteilen. Mir kamen beim Lesen die Tränen. Es ist doch immer schlimm. Was ihr erlebt habt, ist doch etwas, bei dem ihr hättet sterben können, wenn ihr nicht so stark gewesen wäret. – Ich wünsche mir auch, dass es bessere Werkzeuge gibt, für Traumaverarbeitung und Heilung. Wir probieren hier Einiges aus. Und es scheint Wege zu geben. Viele liebe Grüße

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    1. Danke für Deine Worte. Und ich entschuldige mich für Deine Tränen, das war wirklcih nicht meine Absicht. Das Alltagsteam übersieht gern die „schlimmen“ und „schlimmsten“ TEile des Puzzles, etwa dass mein Tod eine eingeplante Sache war bei diesem Utnerfangen, dass es damals „ein Problem“ war, dass ich immer noch lebe. Das ist allerdings so weit weg von „mir“, dass es … ich weiß auch nicht. lg s

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      1. Oh nein – ihr braucht euch gar nicht entschuldigen!!! Ich fühle einfach mit und sende euch eine Umarmung (wenn gerade gewollt)

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  3. Pauline-s sagt:

    Ich hab den Film gesehen. Ich fand es schlimm und respektlos, dass es im Abspann keinen Nachruf gab. Was mich inhaltlich besonders positiv gepackt hat, waren die starken Szenen vor Gericht: Die Situation, in der es um die Frage der „Intimsphäre“ des Täters ging und Hannas Entscheidung, öffentlich auszusagen (Täter haben kein Recht auf Privatheit!).

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    1. Die Sache mit dem Nachruf hat mich auch verwundert. Man weiß ja nie, wie sowas kommt, wenn etwa Angehörige es nicht möchten, dass der Film mit dem Tod endet, sondern sich wünschen, dass die Hoffnung bleibt?
      Ich war selbst als Teenager mit der Schule mal einen Tag im Gericht. Dort war auch eine Verhandung einer Vergewaltigung dabei. Da wurde der Saal auf Antrag der Klägerin geräumt – zum Schutz IHRER Intimspäre, nicht seiner.
      lg s.

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      1. Pauline-s sagt:

        wie gut, dass das in diesem Gerichtsfall anders gelaufen ist…

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  4. MrsTingley sagt:

    Hui… Ich finde mich an ganz ganz ganz vielen Stellen deines Textes wieder. Auch, wenn ich bis heute nicht weiß, wie lange *es* wirklich ging, weiß ich, dass es spätestens mit dem Tod des Täters aufgehört hat. Und trotzdem gibt es kein Gefühl von Ende. Absolut keines. Auch ich war bis vor ungefähr 9 Jahren komplett amnestisch. Auch meine Eltern waren nicht „beteiligt“. Und bis mindestens dahin hat es niemand gemerkt. Ich habe momentan keine Schutzschicht mehr, weswegen ich den Film (noch?) nicht gesehen habe. Aber irgendwie möchte ich für diesen Text von Dir danken, der mir mal wieder aufzeigt, dass es für jeden, egal, wie lange *etwas* gedauert hat, das Leid da und echt ist. (auch meines, upps… )

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    1. Ist mein Leid „echt“? – Ich denke, diese Frage ist mir noch zu schwierig. Sie würde zu weite Kreise ziehen… lg s

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  5. Ju sagt:

    Liebe S., ich finde in Deinem Text so so viel von mir wieder, das kann ich gerade gar nicht fassen.
    Ich war schon älter/ noch Grundschulkind, als es losging, und kann die Zeitdauer in etwa eingrenzen, mind.7 Jahre, eher mehr.
    Und kein Gefühl von Ende, kein Gefühl von Ausweg, kein Gefühl von es ist vorbei. Da die Person mir nicht bekannt ist. Ich weiß also nicht, ob er noch lebt. An den Ort bin ich noch gebunden, leider. Was aber auch durch fast 20 Jahre amnestisch sein so ist. Die Herkunftsfamilie hatte es zumindest irgendwann gewusst und nicht beendet.

    Und auch, wenn ich aufgrund der Unterschiede (kein Kleinkind mehr) und ohne DIS-Diagnose mich manchmal scheue, hier und in anderen Blogs mitzuschreiben und auch, wenn ich anfangs selbst dachte „mir ist doch nichts passiert“ (inzwischen weiß ich zumindest in Momenten, dass mir sehr wohl „was passiert“ ist): es gibt eine Nähe, ein verstehen können hier und dort, die mich im Positiven immer wieder umhaut.
    Den Film kann ich (noch) nicht sehen. Nicht mit dem Wissen um die Ausweglosigkeit dahinter, die einen eben doch irgendwann so völlig vereinnahmend einholen kann. Bisher ist das der Part von einem meist sehr stillen Anteil, aber was, wenn der doch mal laut wird? Es macht mir auch Angst. Denn … 1000 Gründe zu leben, und doch ist es phasenweise unerträglich, „damit“ leben zu sollen … Ich kann die Hauptperson so gut verstehen – nur mit dem „Angelesenen “ dazu – dass der Film gerade zu dicht wäre.

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    1. Hallo Ju, hier in meinem Blog musst Du Dich wirklich nicht scheuen mitzuschreiben. Und mit Diagnosen ist das so eine Sache… sie ändern sich eh immer wieder bzw. je nach Fachperson, mit der Du sprichst – sie scheinen irgendwie objektiv, meiner Erfahrung nach sind sie es ganz und gar nicht. Mit ganz lieben Grußen s.

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  6. echtjetzt? sagt:

    Mal wieder finde ich mich sehr wieder in Deinem Text. Übrigens auch in dem, was meine Therapeutin zu mir sagte, in Bezug auf „wie ich mein Leben gemeistert habe“ und dass sie sich „wundert“ (sie sagt es irgendwie netter und so, dass ich es annehmen kann), dass ich jetzt erstmalig in der Psychiatrie gelandet bin.
    Und auch ich kenne mich berufsbedingt eigentlich sehr mit dem Thema Trauma, etc. aus. Hat mir leider auch nicht so viel genützt. Mir fehlen komplette Inhalte aus jungen und jüngeren Jahren und es ist mir noch nicht mal aufgefallen vorher. Auch der Missbrauch ist nur erahnbar, durch einzelne Puzzlesequenzen bestehend aus Körpererinnerungen, Gefühle, Minibilder, etc. Oder als anzunehmende Tatsache, wenn man 1+1 zusammenzählt. So richtig akzeptieren kann ICH das nicht. Aber ich versuche zu akzeptieren, dass es eigentlich auch egal ist, was genau passiert ist, weil es erstmal darum geht herauszufinden, wie ich weniger Spannung zwischen den Anteilen erzeuge.

    Ich hab nur den Trailer geguckt. Den Film pack ich grad nicht.

    Ich finde es ebenfalls sehr erschreckend, dass Fr. Preusker keine Kraft mehr hatte, um es weiter zu versuchen dem Albtraum zu entkommen.

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  7. Pia sagt:

    Sieben Stunden können solche Folgen haben, wir wissen aber nicht ob es nicht schon früher Traumata bei ihr gab. Es ist bekannt, dass es nichtwenige Betroffene gibt die einen Beruf im sozialen Bereich wählen.

    Für eine Fachfrau ist es vielleicht noch schwieriger sich zu öffnen, und Traumatherapeuten die wirklich gut sind gibt es nicht viele. Mich hat das sehr berührt als ich in den Medien davon gelesen habe.

    Den Film habe ich nicht gesehen, da ich das Ende kenne mag ich ihn auch nicht schauen.

    Ich brauche wenigstens etwas Hoffnung.

    Pia

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    1. Hallo Pia, ich denke, in einem autobiographischen Roman würde man frühere Traumata erwähnen. Und ich denke: Auch eine Erwachsenentrauma kann „ausreichend schlimm“ für einen Selbstmord sein – nicht nur Kinder sind hilflos und ohnmächtig… Ich würde es schon ziemlich masochistisch finden, mit einer (unterstellten) Kindheit mit sexuellen Übergriffen plus Trauma freiwillig von allen Berufsmölgichkeiten ausgerechnet mit verurteilten Straftätern (also auch … solchen Tätern) zu arbeiten. Man kann es nicht ausschließen, klar… Natürlcih ist beides („es war „nur“ eine Retraumatisierung“ vs. „es war das einzige Erlebnis mit sexualisierter Gewalt in Susanne Preuskers Leben“) nur Spekulation.
      Der Film endet nicht mit einem Tod, denn auch der Roman kann (natürlich) nicht mit ienem Tod enden, da autobiographisch… alles Liebe s.

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    2. In der Doku spricht Susanne von dem unbeschwerten freien Leben davor und dann dem Leben danach, wo nichts mehr ist wie es mal war…
      Ich glaube da gab es in der Tat nichts in ihrer Kindheit. Aber natürlich kann man das ja als Außenstehender nicht ausschließen.

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      1. Auch Menschen mit Trauma „nur“ (haha!) in Erwachsenenalter haben ein „Recht auf“ es-war-unterträglich-schlimm. Ich finde das fast ein bisschen diskriminierend, wenn das nur in der Kindheit traumatisierte Mensschen haben dürften – aber ich denke, so war es nicht gemeint gewesen von … wer hatte das geschrieben? lg

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        1. Das hat sie jedenfalls nicht geschrieben…

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        2. Pia sagt:

          Hallo Sonrisa,

          Vergissmeinnichtdaslebendanach hat mich gerettet, ich war etwas verunsichert, konnte mich nicht erinnern etwas wie „das ist aber schlimmer als das andere“ geäußert zu haben.

          Sieht so aus, dass ich Fortschritte mache, abwarten kann. Trotzdem ist es schön eine Bestätigung der eigenen Wahrnehmung zu bekommen. Danke euch.

          Pia

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        3. Oh je, entschuldige bitte, ich hab irgendwas verwechselt… bitte nicht vergessen: Auch ich habe eine partizipierte Festplatte und ein etwas eigenartiges Gedächtnis… Entschuldigt bitte!

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        4. Hallo again, ich hab nochmal nachgesehen, ich meinte Deinen Kommentar, Pia, von vorgestern unter idesem Artikel…. ich hatte das vielleicht falsch verstanden? (übertrieben formuliert: „Weil man sich wg eines erwachsenentraumas nicht umbringt, kann man zusätzlich ein Kindheitstrauma annehmen.“) Tut mir leid, mein Fehler… also auf keinen Fall Dein Fehler, wenn ich etwas falsch verstehe… lg s

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  8. In unserem Leben gibt es auch große Parallelen. Uns wurden auch Komplimente von den Therapeuten gegeben, es sei ein Wunder, dass wir arbeiten mit der Story, es sei ein Wunder, dass wir überhaupt die Ausbildung machten und so ein Job haben, dass wir so lange keine Hilfe hatten und es überlebten… Ja die erste Therapie gab es bei uns auch erst gegen ende 20.
    Vielleicht sind die so verwundert gewesen, weil „normale“ PTBS Patienten eben nicht so gut, so lange „funktionieren“ können, während das bei der DIS deutlich einfacher ist, auf Grund der Aufteilung der Aufgaben und der Gefühle und Erlebnisse auf die vielen verschiedenen Anteile? Und da es prozentual gesehen weniger DIS als PTBS gibt, sind wir in dem Umfeld im Vergleich gesehen ne Ausnahme.
    Auf der anderen Seite wissen wir ja lange gar nichts von Trauma Sachen, haben zwar viele Probleme, ja, aber denken glatt, das ist doch normal so…

    Man könnte aber in der Tat meinen, dass wenn ein Trauma eine Erwachsene zum Suizid brachte, es für so ein Kind schon echt krass gewesen sein muss. Wir leben vermutlich nur, weil wir uns alles aufgeteilt haben und es Anteile gibt, die keine Ahnung vom Trauma haben. So gesehen ist die Abspaltung doch echt von Vorteil, oder?

    LG

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    1. ja, das hab ich auch genau so schon mehrfach von Therapeutinnen gesagt gekriegt. :-O

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  9. Pia sagt:

    Hallo Sonrisa,
    vielleicht kann er doch mit einem Tod enden weil nicht nur autobiographisch sondern auch Fiktion. Schon schwierig wenn die Realität die Fiktion überholt.

    Die eigene Geschichte zu schreiben, sie gar einem größeren Publikum zugänglich machen kann ich mir nicht vorstellen, die Scham ist zu groß. Mit Frau Preusker kann und will ich mich nicht vergleichen, ich will ein anderes Ende für mich.

    Ich stelle mir vor ich hätte meine Geschichte in früheren Jahren geschrieben, mit einem Schwenk in die Zukunft, das gleiche Ende wie wir es kennen (mag das Wort nicht schreiben). Das war bis vor wenigen Jahren so. Heute wäre meine Geschichte im Ergebnis offen, nicht mehr so negativ wie die meiste Zeit meines Lebens.

    Deine Gedanken zu Frau Preusker kann ich verstehen, denke stellenweise auch so. Wir haben unsere eigene Geschichte mit eigenem Ende. Ich bin froh meine Geschichte noch gestalten zu können auch wenn es immer noch schmerzhaft ist, aber ich kann gestalten.

    Deine, eure Gedanken sind sehr hilfreich.

    Liebe Grüße
    Pia

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    1. … was für ein wunderbarer Kommentar… 🙂 danke.

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      1. Pia sagt:

        Liebe Sonrisa,
        bei deinem letzten Eintrag gab es keine Möglichkeit zum Antworten, deshalb hier. Alles gut, hier hast du meine Seele gestreichelt, oben mir Gelegenheit gegeben eine andere Reaktion zu zulassen als sonst üblich.

        Es ist uns nicht immer möglich alles zu erfassen, schon gar nicht zu erinnern, entsprechend reagieren wir. Manchmal ist das unpassend für andere, aber passend für das was wir wahrgenommen haben. Hier ist alles gut.

        Pia

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  10. So wahnsinnig gut geschrieben! Vielen Dank dafür! ❤️

    Wir haben uns gerade in vielen Dingen so wiedergefunden und waren so erleichtert, dass du dich getraut hast, diesen Vergleich auszusprechen. Irgendwie wollen wir uns zwar ungern vergleichen, aber an gewissen Stellen tun wir es dann eben doch. Susanne Preusker ist so ein Fall, der uns wahnsinnig bewegt, auch wegen den Dingen die du angesprochen hast.

    Gerade erleben wir eine Phase in der ich oftmals hoffe, dass mir der Selbstmord nicht irgendwann „passieren“ möge. Völlig ungeplant und ungewollt.

    Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende! 😊

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    1. Hallo Sofie, nachdem ich Deine Texte so toll finde, freue ich mich, dass ich mal etwas für Dich Brauchbares fabrizieren konnte… schön. 🙂
      Was Du beschreibst, kenne ich leider… ich kann mir dann meistens ein bisschen innere Sicherheit holen darüber, dass es nicht passieren wird, solange welche aus ∑ich dagegen sind und einschreiten würden.

      Ich wünsch Dir Kraft…
      alles Liebe, s.

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      1. Hallo Sonrisa,
        wir finden auf euerer Seite tatsächlich ganz viele tolle Sachen für uns! Es gelingt mir leider nur nicht immer einen Kommentar zu schreiben, aber ich bin sehr froh, dass wir an deinen Schilderungen teilhaben dürfen und ziehen ganz viel Positives draus!

        Vielen Dank für die guten Wünsche und ganz herzliche Grüße!
        Sofie 😊

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  11. Pia sagt:

    Nun habe ich den Film doch angeschaut und es arbeitet in mir. Die Therapeutin hat mich sehr irritiert, der Umgang mit dem Begriff Opfer, was von aussen hinein interpretiert wird. Das empfinde ich als einen weiteren gewaltsamen Akt gegen die Frau.

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    1. Das finde ich das Gute an dem Film – es zeigt u.a. AUCH die Helfergewalt, die vom System nicht als solche erkannt wird.

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  12. Pia sagt:

    Helfergewalt trifft es, bisher traute ich mich nicht ein solches Wort auch nur zu denken. Interessanter Gedanke mich damit zu beschäftigen.

    Helfergewalt kenne ich seit Jahrzehnten, sie trat immer dann auf wenn ich mich nicht so entwickeln konnte wie es vorgesehen war.

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    1. Hallo Pia, kennst du den Artikel 096 (Gewaltallergie)? Da beschäftige ich mich damit.

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  13. Pia sagt:

    Hallo Sonrisa, den Artikel erinnere ich nicht, teile mit dir die Allergie. Aktionen der Helfer im medizinischen Bereich lösen immer öfter Schockzustände bei mir aus, manchmal gefährlich durch extrem hohen Blutdruck. Der Artikel passt.

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    1. Hast du ihn finden können? Oder soll ich ihn verlinken?

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  14. Pia sagt:

    Danke, du hast es so gut gemacht so gute ich ihn leicht finden.

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    1. Sag mir, was du drüber denkst, wenn du gelesen hast. 🙂

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  15. Hallo Sonarisa, obwohl mir Dein Name schon öfters bei Kommentaren aufgefallen ist, bin ich erst jetzt auf Deinen Blog geraten und bin tief beeindruckt…. über all das Zutreffende (auch bei mir) über das gute Beschreiben und Erklären…u.v.m. Danke! Und ich habe da auch soviele „Bekannte“ hier getroffen unter den Kommentatorinnen ;-).
    Den Film habe ich mir auch nicht getraut zu gucken – obwohl ich den Trailer sah und eigentlich ja auch zu diesen Themen gehörte, die mich interessieren.
    Erstaunlich, dass ich erst jetzt auf Deinen Blog gelandet bin.

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    1. Willkommen… schön, dass Du da bist. Ich war schon öfters in Deinem Blog. 🙂

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  16. JessBear sagt:

    Hallo, Sonrisa. Hallo an Euch Mitleserinnen.
    ich habe Deinen blog gestern .. nein, vorgestern entdeckt und seither viel gelesen. Vielen Dank für Deine und Eure Beiträge!
    Es tut gut, zu lesen und zu wissen, daß ich hier gut aufgehoben bin.

    Ich habe nicht eine feindselige Bemerkung gelesen, was schon herausragend ist, denn in dieser verrückten Zeit der medialen Möglichkeiten zu Verbreitung von Feindseligkeiten, erscheint es geradezu paradiesisch, sich mit mit Menschen auf vernünftige, respektvolle und achtsame, freundliche Weise auszutauschen.

    Und es ist eigentlich so bekloppt, das zu betonen… ich bin immer wieder erstaunt, wenn alte Menschen sich freudestrahlend bedanken, daß ich ihnen die Tür aufhalte, während sie sich aus zehn Metern Entfernung mit ihrem Rollator vorwärts kämpfen..
    ich sage dann immer: „Das ist doch selbstverständlich!“

    Aber zum Thema: ich kenne diese Gedanken auch… daß es anderen NOCH schlimmer geht…
    Ich habe erst letztes Jahr – mit 43 Sommern – „meine“ Diagnose erhalten.. und ja, ich denke, daß wir dazu neigen, unser Leid mit dem Leid Anderer zu vergleichen, liegt vor Allem daran, daß Familien, Freunde, Gesellschaft kognitiv .. oder wie auch immer nicht Willens bzw. nicht in der Lage sind, zu verstehen, wie hart es ist, zu überleben, zu bestehen. Das schiere Verweigern, anzuerkennen, daß psychisches Leid grausamer sein kann, als z.B. buchstäblich gehandicapt zu sein.

    Denn man kann es SEHEN.

    und ich trage mich mit der doch recht eingeschränkten Akzeptanz meiner Diagnosen… Stichwort Helfergewalt und Schema F-Abarbeitung von „Fällen“..achja..
    oder hochmütige, dämliche Bemerkungen von Psychs wie:

    „Was Sie erzählen, ist nicht interessant!“; nachdem man sie wiederholt geweckt hat, weil sie eingeschlafen sind, während man sein Innerstes geöffnet hat…und völlig perplex, sauer, entsetzt, einfach überfordert ist, zuzusehen, wie dem Fachmenschen langsam die Augen zu fallen und man überlegt, ob man einfach wortlos geht, oder weckt und zu Rede stellt..

    oder Kommentare wie: „Mit Ihnen muß man ja richtig philosophieren!“ und „Ist es nicht an der Zeit für ein bißchen Demut?“ nachdem man von den jahrelangen Diskriminierungen und deren Folgen für sein eigenes Leben und das seiner Kinder berichtet hat, weil es immer wieder hieß: Frauen gehörten nicht in eine Tischlerei..

    Heute würde ich ihr spontan antworten, sie muß nicht, sie DARF 😉

    Dieser abgrundtief dämlich Blick der Frau Psychologin von der wohlfahrtsangehauchten Institution, als ich antwortete:ich sei so viel gedemütigt worden, daß es für drei Leben reiche, ich habe wahrlich genug Demut gezeigt… ich werde ihn nie nicht vergessen.

    sorry, da sind mir die Jungpferde…

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    1. Hallo JessBaer,
      schön, dass Du hergefunden hast! Willkommen!
      Ich habe Deinen Kommentar veröffentlicht, aber möchte gerne sagen: Ich habe länger überlegt, ihn freizuschalten wegen abwertenden Formulierungen wie „abgrundtief dämlich Blick der Frau Psychologin“ – und möchte daran erinnern, dass ich derlei nicht gerne in meinem Blog lese. Bitte bleib bei den Fakten, gerne darfst Du auch nach den Fakten Anmerkungen machen wie „ich habe mcih sehr darüber geärgert, weil…“ aber bitte nicht die Person mit Deinen subjektiven Interpretationen abwerten. Vielen Dank für die Rücksichtnahme im Voraus.
      Mit lieben sonnigen Grüßen,
      s.

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  17. JessBear sagt:

    Sonrisa, lieben Dank für die herzliche Aufnahme.
    Und stimmt, das ist nicht so optimal ausgedrückt gewesen. Ich gelobe Optimierung 🙂
    Herzlich. JB

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