156 Ich habe eine psychiatrische Diagnose erhalten – was nun?

Wie häufig Fehldiagnosen in der Medizin vorkommen, davon habe ich beim letzten Mal erzählt. Mehr als die Hälfte der psychiatrischen Diagnosen, die mir gestellt wurden, waren nachweislich falsch und führten teilweise zu schädigenden Behandlungsplänen.

Ich kenne Diagnostiker mit großer Sorgfalt, viel Fingerspitzengefühl und Knowhow, aber leider auch das Gegenteil davon.

Neben den Fehldiagnosen gibt es die richtigen Diagnosen. Ich erinnere noch meine PTBS-Diagnose und wie erleichtert ich war, dass meine Probleme in einem Katalog Wort für Wort erfasst waren. Denn das heißt, dass ich nicht die einzige Person am Planeten bin damit. Auch meine Diagnoseänderung auf F44.7 und vor allem auf F44.81 erinnere ich nach dem ersten Schreck als entlastend: Es gibt andere Menschen mit meinem Problem, und die Fachwelt hat mich richtig eingeordnet.

Was kann man als Patient tun, um richtige von falschen Diagnosen zu unterscheiden?

  • Oft bekommt man Diagnosen aus z.B. Gutachten oder Kliniken nur als Kürzel (hier fehlt das Patientenrecht auf Erklärung und Befragungsmöglichkeit des erstvergebenden Behandlers). Eine Datenbank zu ICD-10-Kürzeln findest Du hier: http://www.icd-code.de
  • Ich würde bei jeder Diagnose empfehlen, sich sämtliche Diagnosekriterien genau durchzulesen und für Dich zu prüfen, ob sie Deine Probleme gut erfassen.
  • Wenn Du unsicher bist, ob die Diagnosekriterien auf Dich zutreffen, sprich mit einer Vertrauensperson darüber, die Dich gut und lange kennt und von der Du kritischen Input gut annehmen kannst. Selbstbild und Fremdbild können manchmal verschieden sein.
  • Wenn Du die Möglichkeit hast, bitte den Behandler, der die Diagnose vergeben hat, um einen telefonischen Termin. Von Tippfehlern bei den Diagnosekürzeln bis hin zur Aussage: „Ich sehe das auch so, dass keines der Diagnosekriterien auf Sie zutrifft, aber ich kann das trotzdem vergeben! Einfach so!“ habe ich alles schon erlebt.
  • Dein Hausarzt kann eine psychologische Testung anordnen, bei der Diagnosen oder Verdachtsdiagnosen formell geprüft werden. Die wird von den Krankenkassen einmal jährlich bezahlt. Als große Fehlerquelle sogar bei einer formellen Diagnostik habe ich das Interview erlebt, bei dem man alle vorangegangenen Diagnosen und Verdachtsdiagnosen mit deren Urheber angeben soll. Auch da wird viel voneinander abgeschrieben, gegen vermeintliche „psychiatrischen Autoritäten“ traut man sich nichts sagen – anstatt neutral geprüft. Egal wie das Ergebnis ausfällt, Du hast kein Recht auf Streichung einer Fehldiagnose aus Deinem Akt (auch das fehlt in den Patientenrechten).

Warum ist die Fehlerrate in der Psychiatrie sehr viel höher als in anderen Disziplinen? Und was könnte man dagegen tun?

Gründe für Fehldiagnosen nennt Wikipedia nur zwei:

  • falsch gedeuteter Krankheitssymptome und der am Patienten erhobener Daten und
  • Vernachlässigung der ärztlichen Sorgfaltspflicht. Darunter fällt wohl auch mangelndes Knowhow in Kombination mit Selbstüberschätzung. Denn mein ehemaliger Hausarzt oder die Therapeutin in Ausbildung hätten an eine ausgebildete psychologische Diagnostikerin verwesen können, wenn sie sich nicht sicher sind.

Warum sind die Fehlerraten in der Psychiatrie besonders hoch?

  • Man kann selten zurückgreifen auf eindeutige bildgebende Diagnostik oder Laborbefunde.
  • Wichtigstes Diagnosemittel ist das Gespräch – nicht alle Patienten können sich differenziert genug beobachten und beschreiben.
  • Die viele Symptome lassen sich verschiedenen Krankheiten zuordnen lassen, so wie Fieber Symptom von vielen verschiedenen Erkrankungen sein kann.
  • Nicht jeder Patient hat exakt eine psychische Erkrankung. Eine Traumafolgestörung kann gemeinsam mit einer Suchterkrankung, mit Autismus oder mit einer Schizophrenie auftreten. Bei Kombinationen wird die Diagnostik schwieriger.
  • Während Chirurgen, Internisten und Hausärzte Fehlermeldesysteme etablieren, fehlen solche Initiativen in der Psychiatrie.
  • Sofern kein Zeitdruck unter Lebensgefahr herrscht, ist eine medizinische Fehldiagnose keine große Sache: Man hat anfänglich gegen Mittelohrentzündung behandelt, der Erfolg blieb aus, der Fall wird revidiert, Diagnose geändert, man bekommt die richtie Behandlung und ist geheilt. Das passierte mir mit 16 in einem Krankenhaus – seitdem ist der Vorfall quasi vergessen: zwei Wochen zusätzliche Schmerzen, keine Folgeschäden. Psychiatrische Fehldiagnosen werden über Jahrzehnte im Akt mitgeschleppt, auch wenn sie von Hausärzten stammen, im ICD10 nicht mal vorkommen und Fachleute darüber die Hände zusammenschlagen. Ein Ausbau der Patientenrechte könnte dieses Mitschleppen von Fehldiagnosen vermindern.

Du hast kein Recht auf irgendwelche formellen Kriterien rund um die Diagnosevergabe:

  • Ein Arzt, Psychologe oder Psychotherapeut darf eine Diagnose selbst dann vergeben, wenn er Dich nie persönlich getroffen hat – nach Aktenlage etwa. Dr. Rüdiger Müller-Isberner, Direktor der Forensischen Psychiatrie in Gießen und Haina, findet diese Praktik unschädlich: „Um ein gebrochenes Bein zu diagnostizieren, reicht doch auch das Röntgenbild.“ (in FAZ 2014) Wenn die Diagnostik von psychischen Erkrankungen so einfach ist wie die eines Beinbruchs, frage ich mich: Warum habe ich über zehn Jahre im Psywesen, hunderte Therapiestunden ambulant und mehrere Klinkaufenthalte hinter mir, bevor jemand auf die DIS-Diagnose kam?
  • Er muss Dir eine neue Diagnose weder erklären, noch begründen. Eine Diagnostik inkludiert standardmäßig keine Befundbesprechung: Du bekommst das Ergebnis zugeschickt – fertig.

Es gibt viele kleine und große Anzeichen dafür, dass der Gesetzgeber der Phantasie oder dem Huschpfusch von Ärzten, Psychologen und Psychotherapeuten bei der Diagnosevergabe keinerlei Grenze setzt. Hier wären Betroffene gefragt, mehr Druck zu machen. Bloß wo? Es gibt keine Instanz, an die man sich mit einer Fehldiagnose wenden kann. Obwohl alle meine Tests zu Persönlichkeitsstörungen negativ ausgefallen sind und renomierte Fachkräfte sie für falsch halten, bleiben diese weiterhin in meinem Akt – zur lebenslangen Verwirrung?

Idee #1. Das vermutlich einzige Mittel, Fehldiagnosen in der Psychiatrie auf 0% zu zu reduzieren, wäre: sie abschaffen. Es gibt einige ernstzunehmende Psychiater, die das fordern (Peter Bernstein, PhD etwa 091) mit den Argumenten:

  • psychiatrische Diagnosen sind reine Symptombeschreibungen (wie „Ausschlag“) und keine Ursachenforschung (Welches Bakterium genau verursacht den Ausschlag?), demnach ungeeignet als Behandlungsgrundlage. Die Diagnose „Depression“ gibt nicht vor, auf welche Art sie erfolgreich behandelt werden kann.
  • Gerade psychiatrische Diagnosen bringen ein Stigma mit sich, das sich oft – auch im Falle einer Fehldiagnose – ein Leben lang nicht mehr abschütteln lässt.
  • Diagnosen können dazu führen, dass Patienten keine Behandlung bekommen: Soldaten sehen sich als harte Kerle und eine PTBS rüttelt am Selbstbild.

„Ich brauche keine Diagnose.“ Wie oft habe ich diesen Satz schon von Psychiatern oder Therapeuten gehört? Wer also braucht eine? Hauptsächlich die Versicherungen: Wer keine krankheitswertige psychische Störung hat, bekommt weder Therapie, noch Krankenstand. Der Haken: Diagnosen wie „PTBS“ oder „Psychose“ sagen rein gar nichts über die Arbeitsfähigkeit aus. Dass gerade Versicherungen Diagnosen „brauchen“, erscheint umso absurder, da die American Psychiatric Association 1980 den (damaligen) DSM „widmungsgemäß bescheiden“ und als Diagnosekatalog „unpräzise“ bezeichnet hat, so unpräzise, „dass er niemals für forensische oder Versicherungszwecke verwendet werden sollte„. Beide Kataloge, DSM und ICD (letzerer großteils vom DSM übernommen), erfuhren selbstverständlich Anpassungen seitdem, seine wesentliche Form und damit die Kritikpunkte daran bleiben unverändert. Waren die Anpassungen Verbesserungen? „Mit dem DSM 5 (Anm. der aktuellsten Form des Diagnosekatalogs) entwickelt sich die Psychiatrie zurück zu Praktiken des frühen 19. Jahrhunderts,“ schreibt der international renomierte Psychiater und Harvard Professor Bessel van der Kolk (2015, Pos. 2959), weiter: Der Diagnosekatalog „vermisst großteils, was die wissenschaftliche Welt unter „Reliabilität“ versteht – die Möglichkeit konsistente, wiederholbare Ergebnisse zu produzieren. In anderen Worten, es fehlt ihm wissenschaftliche Validität.“ (ebd. Pos. 2961) „Das qEEG liefert überzeugende Beweise für die wilkürlichen Grenzen der aktuellen […] Diagnosekategorien.“ Die dortigen Labels für psychische Erkrankungen könnten nicht mit spezifischen Gehirnaktivitäten in Verbindung gebracht werden. (ebd. Pos. 5877) Wenn man das so liest… täte man durch Kübeln der Diagnosekataloge der Menschheit einen Gefallen?

Weitere Ideen zur Reduktion der Fehldiagnosen in der Psychiatrie gibt’s beim nächsten Mal.


Wie kann man als Patientin richtige von falschen Diagnosen unterscheiden? Woher hast Du gewusst, dass eine bestimmte Diagnose richtig war und eine andere falsch? Oder verlässt Du Dich ganz auf Deine Behandler?

Bildnachweis: pixabay / free-photos

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31 Kommentare Gib deinen ab

  1. Spiegelsplitter sagt:

    Was ich nicht verstehe : wo genau bleiben denn die falschen Diagnosen?
    Im letzten Klinikbericht tauchte zb Borderline erstmalig nicht mehr auf. Auch die Therapeutin benutzt es, meines Wissens, nicht mehr.
    Aber wo bleibt das? Klar, wenn ich zb wieder in die örtliche Klapse gehe, dann machen die da einmal klick und der PC sagt Borderline.
    Aber angenommen, die kommen auch zu dem Schluss, nee, stimmt nicht mehr, schreiben es im Arztbrief nicht mehr. Ist es dann denn nicht weg? Wer hat Zugriff darauf?

    Meine Angst ist ja immer (ich arbeite mit Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen mit Assistentsbedarf), dass mir die DIS – Diagnose irgendwann meine Arbeit verbaut. Dass ich irgendwann zum Amtsarzt oä. geschickt werde und es das dann für immer war mit meinem Beruf. Das wäre für mich der Untergang.
    In wieweit können also Diagnosen eine Arbeitsunfähig auslösen, obwohl man sich gar nicht arbeitsunfähig fühlt? Wer könnte denn von den Diagnosen erfahren??

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    1. Hallo Spiegelsplitter, ich kann Dir von mir sagen, wo sie bleiben: Dorthin, wo ich sie weiterleiten MUSS: Bei meiner Krankenversicherung, bei diversen anderen Versicherungen. Sollte ich mal ein Gerichtsverfahren haben, könnte man da zugreifen und ich bin vor Gericht Mensch 2. Klasse oder unglaubwürdig (was natürlich unfug ist! Ist aber so!), wenn dort Persönlcihkeitsstörung oder DIS steht. Traumafolgestörung macht einen nicht unglaubwürdig und das Stigma ist geringer. Im letzten Artikel habe ich geschrieben, wie ien Versicherungsgutachter eine 5-min-Diagnose eines Hausarztes 2018 wieder in meinen Akt übernimmt. Völlig absurd!
      Wer hat Zugriff darauf? Die Krankenkassen, die Gerichte, wenn sie das brauchen.
      Ich denke nicht, dass eine Diagnose einen die Arbeit verbauen kann, die man GERADE HAT. Denn da zeigst Du ja ständig, dass Du sie machen kannst gegenüber Deinem Arbeitgeber. Etwas anderes sind Selbständige oder Menschen, die stark vom Markt abhängig arbeiten. Wenn da ein Skandal oder facebook-Bashing rumgeht mit „XY ist so geistesgestört wie der Killer in Split!“ ist das existenzbedrohend, wenn die Kunden sich weigern, mit einem zu arbeiten. Das sehe ich – ehrlich gesagt – im Sozialsektor eher weniger, denn da können sich die wenigsten ihre Sachbearbeiterin aussuchen.
      Ich habe das noch nie gehört, dass ein Amtsarzt die Arbeit verbietet. Ich bin dzt. berufsunfähig begutahtet und arbeite trotzdem in deutlich geringerem Ausmaß als vorher. Wer will Dich abhalten?
      Wer sollte im Arbeitszusammenhang vor den Diagnosen erfahren? WEnn Dein ARbeitgeber und Du vor Gericht wären, würdest Du – gefragt nach psychiatrischen Diagnosen – falsche Angaben machen? Andererseits: Wenn Du funktional genug bist, wer sollte was merken? Warum sollte Dein Arbeitgeber Dich entlassen, warum solltet Ihr vor Gericht landen?
      lg s.

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      1. Spiegelsplitter sagt:

        Naja, das kann ja schon passieren. Es gibt längere krankenstände. Es gibt Aufenthalte in Kliniken, da legt man Liegebescheinigungen vor, da steht drauf Psychiatrie oder Psychosomatik. Angenommen, der Arbeitgeber zweifelt irgendwann, dass ich aus psychischen Gründen der Verantwortung gewachsen bin und will ein Gutachten oder so haben….. Was dann? Eine Traumafolgestörung wäre vielleicht okay, aber eine DIS…… Mir macht das schon Angst.

        Danke für deine Erfahrungen! Ich finde es schon gruselig, dass das bestehen bleibt. Dass wer drauf Zugriff hat. Wenn ich Hämorrhoiden hätte, würde das auch keinen was angehen. Und wenn die weg wären, würde keiner mehr sagen, „die hat Hämorrhoiden“ okay, der Vergleich hinkt, aber sauer bin ich trotzdem. Und unsicher. Am liebsten würde ich der Therapeutin einreden, die DIS für sich zu behalten. Wird aber ja nicht gehen. Natürlich müssen andere Behandler wissen was los ist. Gmpf!

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        1. Hallo Spiegelsplitter, ich halte es für extrem unwahrscheinlich, dass ein Arbeitgeber Dich für etwas anderes beurteit als Deine Arbeitsleistung und (bei sehr kundenorientierten Jobs) Deinem Ruf. Es macht für mich überhaupt keinen Sinn, dass ein Arbeitgeber ein Gutachten zahlt, bevor er Dich entlässt, wenn er mit Dir nicht zufrieden ist (es sei denn, es liegen Entlassungshindernisse wie eine Schwerbehinderung vor). Davor musst Du Dich echt nicht fürchten!
          Die Hämorrhoiden will Dein Arbeitgeber auch nciht anschauen, er sieht ja eh, ob Du damit Deine Arbeit machen kannst oder nicht. Enlassen darf man Dich sowieso zu jeder Zeit.
          Ich habe mit meiner Therapeutin sehr wohl vereinbart, dass auf allen externen Dokumenten F44.7 / F44.9 stehen soll, womit niemand je ein Problem hatte, denn die Behandlung für F44.7/81/9 ist ohnehin „identisch“, wie meine Psychiaterin und mehrere andere Fachkräft, mit dneen ich gesprochen habe, gesagt haben. Wenn sich nciht dran hält, würde ich mich von ihr trennen und die letzte Rechnung nciht einreichen, damit sie nur in meinem Papierkorb landet, aber nicht bei der Krankenkasse.
          Lieben Gruß,
          s.

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  2. Spiegelsplitter sagt:

    Ach und zu deinen Fragen: „verlässt du dich ganz auf deinen Behandler?“
    Ich habe Borderline lange geglaubt, ja. Ich war immer so verwirrt, was mein Selbstbild angeht, wusste nie, wer ich bin. Ich wusste nichts von DIS.
    Und ich las über Borderline, dass das Selbstbild so unbestimmt ist. Dass man sich manchmal selbst nicht wiedererkennt. Das war immer das, was ich an dieser Diagnose am für mich teffendsten empfand. Und ja, ich habe den Profis geglaubt. Was ich nur seltsam fand war, dass ich mich oft in den anderen Borderlinern nicht wieder fand, die ich so kennen lernte. Die waren irgendwie gaaaanz anders als ich.
    Keine Ahnung, ich fürchte, hätte man Schizophrenie diagnostiziert, hätte ich das auch geglaubt.
    Ist ja auch ein wenig wirr so ne DIS….. Ich hab mich einfach nur immer schon zersplittert und irre gefühlt. Klar, glaubt man da den Ärzten. Die müssen es doch wissen.

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    1. geisterkinder sagt:

      Das war hier ganz genauso. Aus dem Grund habe ich auch lange geglaubt, dass die Borderline-Diagnose stimmt. Von DIS hatte ich damals noch nie gehört und auch die PTBS habe ich nie in Erwägung gezogen bis sie diagnostiziert wurde. Erst als die jetzige Therapeutin erklärt hat, dass die kPTBS und Borderline einige Überschneidungen haben und dass Borderline aus bestimmten Gründen nicht zutrifft bei mir habe ich gemerkt, dass ich sehr wahrscheinlich wirklich kein Borderline habe. Die kPTBS bzw. DIS erklärt meine Symptome so viel besser als es die Borderline-Diagnose vorher getan hat. Wobei ich schon vor Jahren immer gedacht habe, dass Mitpatienten aus der Klinik, die wirklich Borderline hatten, ganz anders sind als ich und ich habe mich immer ein bisschen außen vor gefühlt, weil ich eben ganz andere Probleme hatte.

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      1. Hallo Geisterkinder, ich kann das verstehen, dass man sich in einer Klinik „allein unter Borderlinern“ oder „allein unter Schizophrenen“ etc. anders fühlt. Hast Du schon einmal die Erfahrung gemacht „gemeinsam unter DIS-Patientinnen“ zu sein? Wenn ja: Wie war’s? lg s

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        1. geisterkinder sagt:

          Bisher habe ich im echten Leben noch nie jemanden mit DIS kennengelernt, von daher kann ich das nicht beurteilen. Ich war zwar schon mal in einer Traumaklinik, in der viele mit kPTBS waren, aber keine(r) mit DIS/DDNOS soweit ich mich erinnere. Damals hatte ich ja gehofft in der Traumaklinik auf „Gleichgesinnte“ zu treffen, aber das war leider nicht der Fall, weil zu der Zeit eben leider keiner mit DIS/DDNOS dort war. (Wobei ich ja auch nicht von allen Patienten die genauen Diagnosen erfahren habe.)
          Vielleicht ist das ja beim nächsten Aufenthalt dort anders, bin gespannt. 🙂
          Liebe Grüße

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        2. Ich hatte ein kurzes Treffen auf einem Flughafen mit jemandem mit DIS. Und vor kurzem hatte ich ein längeres persönlcihes Treffen mit einer DIS-Patientin. Das war großartig – ganz anders als im Internet. Ich schreibe vielleicht demnächst mal darüber. 🙂 alles liebe s.

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        3. geisterkinder sagt:

          Das klingt gut, würde mich sehr interessieren darüber zu lesen. 😊

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        4. Spiegelsplitter sagt:

          Hast du deine Diagnose den Mitpatienten gesagt? Ich nämlich nicht. Sie war aber auch zu neu und zu verwirrend. Ich frage mich, ob ich sie jetzt nennen würde. Ich bi eh so zurückhaltend… Und im Nachhinein frage ich mich, ob ich auf Station nicht sich ein oder zwei DIS – Menschen hatte, die das nur auch nicht so nach außen trugen. Mir fallen ein paar Dinge ein, die dafür sprechen.
          Keine Ahnung, ob man sich so ohne weiteres erkennt?

          Bei den Borderlinern habe ich es übrigens immer mal erlebt, dass die mit ihrer Diagnose richtig hausieren gehen. Also dass das alles sehr nach außen getragen wurde. Das war dann auch u. A. Was, was mich deutlich unterschied.

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        5. geisterkinder sagt:

          Ja, habe ich. Aber nicht jedem, nur 3-4 Personen mit denen engerer Kontakt bestand. Aber viele haben das auch so gemerkt, glaube ich. Allein deshalb weil die Amnesien so stark waren und Mitpatienten manchmal nicht mehr „erkannt“ wurden. Ich weiß aber was du meinst. Habe mich auch schon häufiger gefragt, ob da nicht doch der ein oder andere dabei war der DIS hatte und das nur nicht gesagt hat. Mag sein. Wobei mir auch nie was in diese Richtung aufgefallen ist bei den meisten. Aber das muss ja nicht unbedingt etwas heißen, bei manchen ist es eben nach Außen hin unauffällig.

          Und diese Erfahrung habe ich mit Borderline Betroffenen auch schon häufiger gemacht. Eigentlich war das grundsätzlich so, dass immer viel darüber geredet wurde. (Unterstellung entfernt, Anm. SM) (Zumindest hatte ich den Eindruck.)

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        6. Spiegelsplitter sagt:

          Nein, das muss nichts heißen. Wobei man in der Klinik ja doch so auf engen Raum ist, dass man da doch das eine oder andere mitbekommet. Ich habe um ehrlich zu sein keine Ahnung, wieviel die anderen mitbekommen haben. Ich schätze mich immer so ein, dass ich die Amnesien gut überspielen kann?? Es gab da eine Frau, die zu starken wutanfallen neigte, von jetzt auf gleich. Die plötzlich anfing kindlich zu weinen, oder auch zu spielen. Ich habe damals nicht an DIS gedacht, gar nicht. Dafür war es für mich noch zu frisch und ich zu sehr in der Ablehnung. Aber jetzt denke ich manchmal, dass es gut sein kann.

          Ja, diese Borderline-(Begriff entfert, da abwertend, Anm. SM)…. Seltsam, oder? In oben genannter Klinik haben die einem „Mädel“ mal die Diagnose weg genommen, sagten ihr, sie habe das nicht. Sie war darauf hin völlig fertig und sagte, jetzt weiß sie gar nicht mehr, was und wer sie ist. (Satz entfernt, da pauschalisierend-abwertend, Anm. SM) Am Ende hatte sie das wieder auf dem Brief stehen. Und ja, ich war davon auch irritiert bis genervt.

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        7. Hallo, ich habe in der Klinik vor den Patienten die Amnesien geoutet, weil ich mehrfach gefragt wurde, was ich hier eigentlcih mache (auffällig funktional halt). Das outet aber noch keine DIS.
          Ich finde es ziemlich problematisch, über die Diagnosen von Mitpatienten und/oder Personal 😉 zu spekulieren, und wüsste auch nicht, inwieweit das das Zusammenleben in der Klinik verbessern oder der betroffenen Patientin / Ärztin / Schwester helfen sollte.
          Ich frage mich gerade, wie es den meisten DIS-Patientinnen gehen würde, wenn man ihnen ihre Diagnose „wegnimmt“ – d.h. also „Sie haben keine DIS, Sie haben etwas anderes, nämlich…“ Ich wette, dass die allermeisten von uns sich ebenso fehlinterpretiert, fehlbehandelt, fehlgesehen fühlen würden und vermutlihc sogar die Kompetenz des Personals anzweifeln würden. Oder nicht?
          Alles Liebe, s.

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        8. Selbstverständlich nicht, war auch nicht gewünscht von der Klinik, dass wir das untereinander sagen. Ich würde niemals freiwillig meinen googlebaren Name mit meiner Diagnose nennen!

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        9. Spiegelsplitter sagt:

          Ich hatte zwar geisterkinder gemeint, aber…. Danke trotzdem für die Antwort 😊

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        10. Oh Entschuldigung

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        11. Spiegelsplitter sagt:

          Nee, hätte ich schreiben sollen. Und außerdem fand ich deine Antwort auch sehr interessant…

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    2. Spiegelsplitter sagt:

      Huch, wo ist eigentlich meine 1. Antwort hin?

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    3. … ich verstehe das absolut. Ich hatte (zum Glück?) recht früh und wiederholt die Erfahrung, dass Ärzte sich irren.

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  3. lamorada sagt:

    für mich ganz wichtig: lesen, lesen und nochmals lesen. ich bin wirklich dankbar dafür das ich in der lage bin informationen wie ein schwamm aufzusaugen.
    aber auch da habe ich zb vom dbt nach linehan profitiert:

    meine thera in der klinik hat mir 2015 deren therapeutenmanual zum lesen mitzugeben und da hat sich das verständnis von linehan eingeprägt über : wir als theras sollten es als unsere aufgabe sehen unsere patientInnen zu unterstützen meisterInnen ihrer eigenen struktur zu werden. niemand anderes als die betroffenen wissen wie sie funktionieren und was ihnen hilft.

    (versuche mal an das manual zu kommen und das noch zu präzisieren die tage)

    sich selber vertrauen ist glaube ich auch wichtig. es gab so einige situationen auch in der dbt-gruppe in der ich nicht konform gegangen bin:
    innerere bester freund: „nix da – ma ganz im ernst: die bude ist hier eh schon gerappelt voll, da hole ich mir garantiert nicht noch irgendnen imaginären „besten freund“ in die bude rein – das fällt aus wegen is nicht“ war damals so ungefähr o-ton von mir in der gruppe.

    Woher hast Du gewusst, dass eine bestimmte Diagnose richtig war und eine andere falsch? Oder verlässt Du Dich ganz auf Deine Behandler?

    ich bin ja ein autonomchen: womit ich was anfangen kann das wird angenommen, das womit ich so überhaupt nix anfangen kann wird verweigert bzw sehr pragmatisch mit umgegangen: polytoxikomanie:

    eine meiner ältesten diagnosen. ich war niemals nicht süchtig. aber: dank dieser diagnose bin ich zum einen in eine der ersten therapieeinrichtungen für jugendliche gekommen die keinen psychatrischen ansatz verfolgt hat sondern menschelich war und verhindere es seit 20 jahren das irgendeiner von diesen freddels da draußen auf die idee kommt mir tavor, diazepan oder andere medikamte ins system reinzuballern: sorry, muss leider ausfallen weil: ich ja ein so hohes abhängigkeitspotential habe.

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    1. Super, dass Du Falschinformationen so kübeln kannst. Das kann ich leider nicht. Ich hab zu viel Angst vor Fehlbehandlung.
      *grins* Super, wenn man das Psywesen mit seinen eigenen Mitteln zu dem kriegt, was man selbst braucht.
      lg s

      Gefällt 1 Person

  4. lamorada sagt:

    was meinst du mit „kübeln“ und was kannst du nicht, da steh ich gerade aufm schlauch ?!

    lg und guten morgen

    lamorada

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    1. Kübeln meine ich: Diagnosekataloge in den Mist werfen wegen obiger Argumente von Fachleuten. Was kann ich denn nicht? Jetzt steh ich auf dem Schlauch. 🙂

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      1. lamorada sagt:

        „Super, dass Du Falschinformationen so kübeln kannst. **Das kann ich leider nicht.** Ich hab zu viel Angst vor Fehlbehandlung.“

        das meinte ich. und zum thema fehlbehandlung:

        meiner letzten (und ja abgesägten) ambulanten traumathera habe ich einfach ganz klar gesagt: es wird hier nichts als fakt und tatsache von außen ins innen reingegeben so nach dem motto „friss oder stirb, das ist jetzt so“, das funktioniert nicht- und alles was jetzt noch an therapie muss sich stimmig anfühlen und wenn es das nicht tut dann ist das halt so.

        das ist eine erkenntnis die es gibt: ich werde nur noch gute leute an mich ranlassen und erst recht die anderen schützen. die haben genug durchgemacht und ich hatte schon immer was gegen diese pathologisierung von mir und menschen generell .

        mein glück aber das hatten wir auch schon mal: dann doch immer wieder zur richtigen zeit an die richtigen menschen geraten die durch menschlichkeit und kompetenz geglänzt haben und mir das gefühl geben das ich n gutes gespür für mich und meine bedürfnisse habe.

        und das ist auch wichtig in dem zusammenhang: dankenswerter weise gibt es hier offensichtlich auch mindestens eine oder ein paar die schon immer auf die barrikaden gegangen sind wenn es ungerechtigkeiten gegen mich bzw das system gab.

        Gefällt 2 Personen

        1. Hallo, wenn ich das so lese, habe ich Hoffnung, das ich das auch irgendwann kann. Ich habe denselben Vorsatz wie Du, klappt aber noch nicht zuverlässig. Ich habe auch vereinzelt gute Erfahrungen. Dass immer jemand innen auf die Barrikaden geht, kenne ich, aber ich habe dann oft keine Handlungsalternative (ich kann ja schlecht die Oberärztin austauschen, wenn sie sich komisch verhält). lg s.

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  5. lamorada sagt:

    und meine klinikthera ist da auch angenehm gewesen:

    hier das therapeutenmanual der linehan, schauen sie doch mal ob das was für sie sein könnte.
    reingelesen, für gut befunden.
    und damit es dann eben mit der kasse keine diskusionen gibt ob das übernommen wird oder nicht ist die borderline-diagnose damals genau die richtige gewesen – sozusagen genau andersrum:

    welche therapie-methode möchte ich und mit welchem diagnose-schlüssel gibt es die am unkompliziertesten 😉

    Gefällt 2 Personen

  6. lamorada sagt:

    ich glaube von vorteil ist hier die kontinuität der guten erfahrung mit der thera in der klinik und der dbt-thera im echten leben draußen – und auch die beiden sind unterschiedlicher meinungen und dürfen das ja auch sein. während meine dbt-thera sieht das der substanzmissbrauch massivst nach unten gegangen ist und den einfach als teil der symptomatik betrachtet hat es sich die klinikthera trotz ausdiskutiererei nicht nehmen lassen einen entsprechenden diagnose-schlüssel in den abschlussbericht reinzunehmen: meine konsequenz darauf für das nächste mal:

    die überweisung wird vom hausarzt kommen und nur die kptbs beinhalten, ein eventuell von der klinik gefordertes screenig wird negativ sein, fragen nach konsum werden dann eben nicht ehrlich sondern so beantwortet das eine f.irgendwas-vergabe nicht mehr gerechtfertigt ist und gut ist.

    das ist meine übersetzung der „radikalen akzeptanz“ nach bohus / wolf:

    die dinge so akzeptieren wie sie sind, nicht so wie ich sie gerne hätte oder sie meiner meinung nach einer gerechteren welt sein sollten um mir und anderen unnötiges leid zu ersparen – na dann akzeptiere ich halt das es in diesem system menschen gibt die zu bestimmten umständen eine meinung haben und nicht bereit sind ihren standpunkt zu ändern. wenn dieser standpunkt aber für mich von nachteil ist und negative folgen haben könnte dann akzeptiere ich halt das ich um mein ziel zu erreichen nicht so erhlich sein kann wie ich es gerne wäre.

    und oh doch. gut..in dem moment kann man die oberärztin vielleicht nicht wechseln – aber ich habe das schon gemacht das ich diverse institutsambulanzen angelaufen bin bis ich mal eine hatte wo ich auf eine getroffen bin bei der ich das gefühl hatte das ich da gesehen werde.

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    1. das hört isch gut an. Mich knicken negative Erfahrungen oft mehr, als mich positive aufrichten können. Schlecht für mich. :-/

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  7. lamorada sagt:

    mich knicken sie auch… das was da mit der letzten thera ambulant abgegangen ist war ein höllentrip… auch meine freundin hat mir dann nochmal rückgemeldet das sie es eher so erlebt hat das die mich eher zerlegt hat als behutsam den schaden den die vertreteungsthera in der klinik angerichtet hat anzugehen…aber da hatte ich dir ja mal gemailt was da dann doch als ergebnis bei rausgekommen ist und das ist garncht so schlecht.

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