155 Fehldiagnosen in der Psychiatrie – die Zahlen

Wie häufig kommen Fehldiagnosen in der Medizin in Deutschland vor? Das Institut für Pathologie in Görlitz hat alle innerhalb eines Jahres Verstorbenen der Stadt nachuntersucht. In 37% der Fälle stellte die Obduktion eine Fehldiagnose die Todesursache betreffend fest. Eine Studie an im Universitätsklinikum Kiel Verstorbenen zeigt, dass 22% der Herzinfarkte, 28% der Tumorerkrankungen und 60% der Lungenembolien in der Klinik nicht erkannt worden waren. (Blech 2011, in Der Spiegel)

Fehldiagnosen in der Psychiatrie dürften deutlich häufiger sein als in anderen Fächern,  stellt der Psychologe Hans-Ulrich Wittchen von der TU Dresden in einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (2010) fest. Auf der Suche nach Prozentzahlen stieß ich auf zwei berühmte Experimente:

  • David Rosenhan, Professor für Psychologie an der Stanford University, hatte sich und sieben gesunde Studenten zwischen 1968 und 1972 in psychiatrischen Kliniken vorgestellt, wo sie behaupteten, Stimmen gehört zu haben. Alle acht verhielten sich in der Klinik völlig normal und alle acht wurden erst nach drei bis acht Wochen mit der Diagnose „abgeklungene Schizophrenie“ entlassen. Die Rate der Fehldiagnosen: 100%
  • 1962 unterzogen sich Psychiater Aaron Beck und vier Kollegen einem Selbsttest: Jeweils zwei der fünf Psychiater untersuchten unabhängig voneinander 153 Patienten ohne Zeitdruck. Bei jedem fünften Patienten waren die Differenzen so groß, dass einer von beiden falsch liegen musste. Die Rate der Fehldiagnosen: mindestens 20%

In beiden Fällen waren Psychiater selbst die Motoren für diese Studien, deren Ergebnisse sie dann  dankenswerterweise publizierten. Seit den 1960er Jahren ist viel Zeit vergangen, und ich finde in den wissenschaftlichen Datenbanken keine ähnlichen Studien, ob sich die Zahlen inzwischen verbessert haben. Man kann nur spekulieren – denn die Diagnosekataloge haben sich seitdem deutlich verkompliziert. Die Fehldiagnoserate bei psychiatrischen Gutachten (über der Frage der Gefährlichkeit von Rechtsbrechern: ja oder nein) liegt bei 60%, sagt ein Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 2014 (lt. Expertenschätzung, nicht empirisch ermittelt) – das ist eine schlechtere Rate, als wenn man eine Münze werfen würde.


Wie sieht es mit meinen eigenen Diagnosen aus?

Anfang des Jahrtausends, lange bevor ich irgendein psychisches Problem hatte, kam ich zu meinem Hausarzt mit folgenden Fakten: Ich war schwanger und wollte es meinem Arbeitgeber noch nicht sagen. Daher machte ich Überstunden und jede Menge Geschäftsreisen ins Ausland. Ja, ich war überarbeitet und ein bisschen geschwächt von meiner leider-nicht-nur-morgendlichen Übelkeit. So trug es sich zu, dass ich bei einer Werksbesichtigung in Ungarn eine Metalltreppe hinungergefallen war. Ja, ich habe geheult, als ich das erzählt habe – der Schreck. Unser Gespräch dauerte 3-5 Minuten. Er schrieb mich krank, stellte die Diagnose Burnout und notierte das in meinem Akt. Ich fand die Krankschreibung gerechtfertigt wegen des Sturzes und meiner blauen Flecken und dachte nicht weiter drüber nach. Diese „Diagnose“ übernahm der Gutachter 2018 in seinen Bericht, ohne mit mir ein Wort dazu zu wechseln, sodass ich nun ein Dokument habe, das „belegt“, dass ich vor langer Zeit ein Burnout hatte, ohne dass zu dem Zeitpunkt irgendein anderes Problem als ein Sturz vorlag. Als ich KR, meiner Therapeutin, 2019 davon erzähle, regt sie sich über etwas ganz anderes auf als die 5-min-Diagnose: „Der darf das gar nicht! Der ist Hausarzt! Und Burnout ist keine Diagnose lt. ICD! Wieso übernimmt der Gutachter sowas?!“ Wäre ich frech, würde ich denken: Weil er es selbst nicht besser weiß als Neurologe mit Schwerpunkt Schlaganfall?

Klappe die 2. Als ich dann nach meinem Erwachsenentrauma tatsächlich erstmals in meinem Leben psychische Probleme hatte, wurde meine nächste psychiatrische Diagnose von einer Gynäkologin und Therapeutin in Supervision und Ausbildung in Personalunion ausgesprochen. Sie wurde mir von der Klinik empfohlen, in der ich nach dem traumatischen Erlebnis behandelt wurde. Das eigentliche Drama der Fehldiagnose war der daraus abgeleitete Behandlungsplan, der im Wesentlichen aus „mehr Sex“ und einer möglichst schnell zu erreichenden Schwangerschaft bestand. Die mich dann heilen würde? Oder so? Weil mein Mann mir ob dieser Idee den Vogel zeigte, landete ich kurz drauf in der psychiatrischen Ambulanz der Uniklinik, die die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Nach nur 30 min Gespräch stand die Diagnose „PTBS im Vollbild“ und ich wurde einem Kopfschütteln entlassen: „Nein, eine PTBS kann weder durch Sex, noch durch Schwangerschaften geheilt werden.“ Schade eigentlich. Zu dem Zeitpunkt war meine persönliche Fehlerrate der psychiatrischen Diagnosen 67%.

Was ich in den nächsten Jahren zu psychiatrischen Diagnosen dazulernte war erfreulich: Ich machte sowohl in der Aktupsychiatrie, als auch mit meiner niedergelassenen Psychiaterin die Erfahrung, dass Diagnosen oder Hypothesen darüber mit größter Sorgfalt gewählt und mit Fingerspitzengefühl besprochen wurden. Es war nicht gerade leichtverdaulich, als man mir auf der Aktustation erklärte, dass ein Erwachsenentrauma keinen dissoziativen Stupor macht, dass es in meiner frühen Kindheit massive Gewalterlebnisse gegeben haben muss und dass der „Gedanke, der sich nicht abschütteln lässt“ keine Horrorvision, sondern ein Flashback ist. Vergebene Diagnosen in diesen Jahren: F43.1, F44.7, F44.9, F44.81 – alles Traumafolgestörungen, alles gut argumentierbar. Fehldiagnosen der Aktustation und der Psychiaterin: 0%

Eigentlich sollte man meinen, dass eine „Traumastation“ diagnostisch fähiger mit Traumadiagnosen ist als eine Akutstation. Ich ging dort raus mit meiner check-in-Diagnose F44.9 und zwei Persönlichkeitsstörungsdiagnosen, zu denen die behandelnde Ärztin keinen Kommentar abgab und jedes Gespräch darüber verweigerte. (075077) Jener Psychiaterin, die in meiner Region der angebliche Traumaguru ist und mich seit sieben Jahren betreut, benannte beide als „himmelschreienden Unfug“. Fehldiagnoserate: 100%

Weil ich Dingen gerne auf den Grund gehe, folgt als nächstes die Diagnostik bei einer niedergelassenen Psychologin. Outcome: 3h Testverfahren zu Persönlichkeitsstörungen, alle unauffällig. Vergeben werden vier Diagnosekürzel: F43.1 (PTBS) und F44.9 (dissoziative Störung) „anamnestisch“ – das ist das Fachwort für „abgeschrieben und nicht selbst überprüft“-, sowie F31.8 und F73.1 – ohne dazugehörige Tests gemacht zu haben. Okay, eine Erschöpfungsdepression unmittelbar nach drei Monaten Klinik kauf ich, aber die schwerste Interlligenzminderung ist mein persönliches diagnostisches Highlight! (079) Diese Psychologin hat bei den von ihr vergebenen Diagnosen eine Fehlerrate von 50-100%.


Hast Du psychiatrische Diagnosen bekommen? Wie war Deine Erfahrung mit der Diagnostik und der Erklärung, was das nun für Dein Leben bedeutet?

62 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich habe bisher eher die Erfahrung gemacht, dass alle eher Diagnosescheu sind. Meine damalige Therapeutin wollte auch nach 1,5jahren noch mit keiner Diagnose rausrücken und beim Psychiater, von dem ich mir eine Diagnostik und Medikamente wünsche, würde ich mit einem Rezept abgespeist🙄

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    1. Wer diagnosescheu ist, macht weniger Fehler. 🙂

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  2. Schlendrian sagt:

    Ich habe in der Pubertät mal die Verdachtsdiagnose Borderline erhalten und später auf der akuten Station auch. Die hatten halt überhaupt keinen Plan von dissoziativen Störungen dort – jeder bekam die selbe Diagnose. Sie wurde aber in allen anderen Kliniken und von anderen Therapeuten widerlegt.

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    1. Jeder bekam dieselbe Diagnose? Ähm…?

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      1. Schlendrian sagt:

        Sorry, habe mich anscheinend missverständlich ausgedrückt. Also auf der Station bekam jeder die selbe Diagnose, weil die Oberärztin spezialisiert auf Borderline ist/war.

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  3. Ich lief lange unter Borderline bis die kPTBS und DIS erkannt wurde. Das ist aber auch ziemlich häufig so wie ich mitbekommen habe. Schade dass so wenig Ärzte und Therapeuten Ahnung von Traumafolgestörungen haben und sowas dann gerne „übersehen“.

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    1. Wenn Robert Andas Zahl stimmt, dass 75% der Selbstmordversuche und 67% aller Alkoholiker einen Traumahintergrund in der Kindheit haben, dann frag ich mich, womit Fachpersonal auf Akutstationen sich sonst beschäftigt, als mit Trauma?

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  4. lamorada sagt:

    hier wurde der weg gegangen über „suchtkrank“ ende der 90er, dann adhs 2008, mittelschwere depressive episode 2010 (erster klinikaufenthalt), 2015 gabs dann die diagnose borderline in der klinik, 2016 dann die komplexe traumafolgestörung die auch 2018 in der anderen klinik behandelt wurde – und bei meiner letzten angeblichen trauma-fachfrau habe ich erfahren das sie in den therapieantrag ende 2018 die depression, die borderliner-struktur und dissoziative krampfanfälle angegeben hat. (wohin gegen sowohl laut traumaambulanz und meiner dbt-thera das „borderlinern“ eher symptomüberschneidung mit der kptbs ist)

    jetzt also nochmal uniklinik, nochmal diagnostik und zwar in „vernünftig“ damit dieser irrsinn mit mit einfach nicht funktionierenden therapieansätzen destabilisert zu werden mal ein ende hat – und für einen neuen ambulanten therapieanlauf eine gesucht die (mir selber mal die daumendrücke) wohl *wirklich* eine empfehlung für die komplexeren persönlichkeitsstrukturen ist.

    was es hier aber auch gibt – die überlegung das alleine die borderlinestruktur anzunehmen 2015 schon eine herausforderung war die nur dank der guten therapeutin angenommen wurde – dadurch an eine gute dbt-therapeutin geraten und stabilisiert und darüber erst die kraft gehabt aus eigenem antrieb in der traumaambulanz vorstellig zu werden um die kptbs abklären zu lassen und auch annehmen zu können.

    letztes jahr in der klinik dann: starke dissoziationen, lieblingspflegerin „so kenn ich sie ja garnicht lamorada“ …mit meiner dbt-therapeutin telefoniert „muah ich bin hier am dissoziieren das kenne ich garnicht..“…. und dann kam ein entspanntes „ähm doch lamorada, die haben sie schon länger…“ war dann aber annehmbar.

    eigentliche überlegung: hätte mir meine therapeutin in der klinik 2015 sonstwas mit kptbs und dis eröffnet -. keine ahnung ob das überhaupt angenommen hätte werden können oder ob das nicht zu einem totalen systemcrash geführt hätte womöglich und ebenjener gedanke auch mit dem wissen meiner dbt-thera ums dissoziieren aber mich niemals drauf angesprochen sondern gewartet bis ich soweit bin das von mir aus zu thematisieren.

    evtl gibts da etwas zwischen „fehldiagnostik“ (zur genüge hinter mir) und aber auch einem bewussten „eine diagnose so richtig sie auch sein mag kann das gegenteil von hilfreich sein wenn der / die betroffene noch nicht so weit ist und nur eine massive überforderung eintritt“

    lg lamorada

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    1. lamorada sagt:

      oh und die unverschämtheit mit „wurden bei ihnen schon mal kognitive störungen“ diagnostiziert habe ich auch schon hinter mir… die absurditäten sämtlicher ambulanten therapieanläufe und absurde gespräche mit psychiaterInnen würden hier die seite füllen…

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      1. Absurde Gespräche mit Psy-Personal habe ich mir für die Zukunft vorgenommen, schneller zu beenden als bisher: Ich diskutiere mit wirklich guten Argumenten und warte oft Vergebens auf das Aufblitzen von Logik im Gegenüber. In Zukunft sag ich nur noch: „Das ist nicht besonders wissenschaftlich, was Sie da sagen.“ Und gehe. Hoffentlich.

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    2. > evtl gibts da etwas zwischen „fehldiagnostik“ (zur genüge hinter mir) und aber auch einem bewussten „eine diagnose so richtig sie auch sein mag kann das gegenteil von hilfreich sein wenn der / die betroffene noch nicht so weit ist und nur eine massive überforderung eintritt“

      Entschuldige, aber Diagnoseverteilen ist doch kein Wunschkonzert! Wenn jemand seinem Onkologen sage, wenn er nochmal sagt, er hätte Krebs, dann bringt er sich um, kann er doch trotzdem nciht das eigentliche Problem ignorieren?! Klar braucht’s Fingerspitzengefühl! Eine Diagnose wirft nicht das aus, was der Patient sich wünscht (sonst hätte ich NIE eine DIS-Diagnose bekommen!), sondern das, was als sinnvolle Behandlungsgrundlage dient. Alles andere ist doch grober Unfug! Wenn ich als Arzt etwas nicht weiß oder mir nicht sicher bin, dann bleib ich halt beim Symtom: Wer mit Selbstmordplänen in der Klinik landet – depressive Episode geht immer, und da muss man keine Borderline-Fehldiagnose inkl. Stigma verteilen.
      lg s

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      1. lamorada sagt:

        hallo sonrisa

        das war jetzt auch nichts womit ich wie in deinem beispiel eine fehldiagnositk rechtfertigen wollte – und ich selber kämpfe seit nunmehr 20(!) Jahren mit Fehldiagnosen, den entsprechenden Stigmata und erlebe das auch gerade wieder sehr massiv in meinem Umfeld was gerade Psychatrie anrichten kann wenn es *räusper* bescheiden läuft und weiß warum ich alles unternehme um damit nichts zu tun zu haben.

        es geht mir doch nicht darum irgendwas zu rechtfertigen was nicht zu entschuldigen ist oder die massiven missstände was die diagnostik angeht zu verharmlosen.

        wenn aber ein system es perfektioniert hat nicht sichtbar zu sein um zu überleben und die summe aller zu beschützen – kann es dann nicht auch sein dass das so gut perfektioniert wurde das selbst einer guten therapeutin nicht bewusst wird dass das was sie wahrnimmt nur ein teil des ganzen ist?
        ich habe letztes jahr in der klinik mehrere situationen gehabt in denen ich meine therapeutin intuitiv „getäuscht“ habe und ihr somit auch nur einen begrenzten einblick gewährt.

        unter anderem mindestens zweimal „hier ist gerade jemand anders“ während der emdr-sitzung sowie mindestens einmal während eines heftigem dissoziativen zustandes hinterher ganz erstaunt getan im sinne von „was war das denn jetzt“ und so getan als wenn ich komplett weggewesen wäre obwohl auch das ein anderes erleben und ein anderer zustand war – den ich aber nicht kommunizieren und thematisieren wollte / konnte / durfte.

        und um das mal vorweg zu nehmen: dabei geht es in keinster weise um ein „selber schuld“. das ist mein eigenes subjektives empfinden, sind überlegungen, fragen die ich mir stelle und keine „das ist so und nicht anders“-behauptungen – und deswegen brauchts auch kein „entschuldige“ wenn du darauf antwortest und mir input gibst über den ich mir gedanken machen kann.

        lieben gruß

        lamorada

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  5. Oh, ich habe soviele Diagnosen in den letzten 50 Jahren bekommen – ich krieg die gar nicht mehr alle zusammen – aber die F soundso gabs ja früher noch nicht und damals war man als Patient auch noch nicht so „mündig“, dass die einem verrieten was man hätte, wenn man so wie ich so oft in der Psychiatrie aufgeschlagen hat wegen Suizidversuche, hat man es nicht für nötig gehalten mir eine Diagnose mitzuteilen. Aber was ich in den letzten 35 Jahren so alles bekam und noch weiß (Neurose, Borderline – wegen „dem Verschleiß von Therapeuten“, Schizoid, Verdacht auf Schizophrenie, Bi-polare Störung, Depression, Burnout, Affektive Störungen, Somatoforme Störungen, Konversionsstörungen, und übrigens als Kind hieß man mich schon „schwererziehbar“.

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    1. Wow, das ist dann nochmal eine andere Liga, wenn einem die Diagnose nicht mal mitgeteilt (geschweige denn erklärt wird). Wahnsinn, echt.

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      1. EDIT: Mein Siebhirn: Ich habe in der „Traumaklinik“ auch die Diagnosen weder mitgeteilt, noch erklärt, noch auf Anfrage irgendwie irgendwas bekommen. Ja, ich finde das auch bei mir Wahnsinn… Patientenrechte! Nicht ausreichend! Sagte ich das schon mal?

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  6. lunis sagt:

    Schwere Intelligenzminderung?
    Wow! Man muss ja nur hier lesen, um zu wissen, dass das nicht stimmt.

    Ich persönlich liebe die 5 Minuten Schnappschuss Diagnosen. So fragte mich mal ein Psychiater, ob ich mich ,,mal so fühle und mal so,, und als ich das bejahte, wie vermutlich jeder Mensch das tun würde, war die Diagnose Borderline im Kasten und die rezeptschublade offen.
    Ich vermute, manch ein psychodoc nascht gerne mal aus seiner eigenen Schublade.
    Borderline hatten wir lange als Diagnose.
    Die letzte Gutachterin machte uns auf dem Papier psychotisch und wahnhaft, weil wir glauben Dis zu sein.
    Jeah

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  7. Spiegelsplitter sagt:

    Jaaaa, Borderline!!! In der örtlichen Psychiatrie, in der ich ja schon so manches mal aufgeschlagen bin, bekommen das ALLE Menschen unter 30 diagnostiziert, die nicht psychotisch sind. Meine Therapeutin meinte dazu mal, dass das Krankenhaus für Menschen mit Persönlichkeitsstörung mehr abrechnen kann. Die machen mehr Arbeit und so.
    Ja, ich hab die Diagnose auch noch aus der Jugend. Hab sie in der kjp bekommen.
    Was passiert eigentlich mit solchen Diagnosen? Bleiben die irgendwo bestehen, oder ab wann sind sie „überschrieben“? Die letzte Klinik benutzte Borderline dann nicht mehr, da ging es dann in Richtung kptbs und DIS.
    Ich hab mich auch schon oft gefragt, was eigentlich wäre, wenn das mit der DIS gar nicht stimmt? Wie wird man die Diagnose wieder los?

    Über deine Intelligenzminderung musste ich sehr herzlich lachen. Großartig!!!!

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    1. Mein Hausarzt hat das auch zu mir gesagt: Dass die mehr abrechnen können, wenn man mehrere Diagnosen hat. Deswegen geben sie so oft die Traumafolgestörung und noch min. eine Persönlichkeitsstörung. Was für ein krankes System.
      Wie ich beschrieben habe, kann es passieren, dass morgen ein Gutachter eine 5-min-Diagnose aus den 90ern wieder auspackt und ohne dürber zu sprechen übernimmt. Das regt meine Therapeutin auf, weil sie sagt, sowas ist ja völlig gegen das Konzept von „Behandlung“ – es tut so, als würde nichts besser werden. Diagnosen bleiben als Meinungen nebeneinander bis zu Deinem Tod erhalten.

      Ja, ich musste über die Intelligenzminderung auch lachen – und es war der Tag, andem ich anfing, diesen Psyzirkus weniger ernst zu nehmen. Bis dahin hatte der bei mir ja vernichtende Wirkung teilweise.

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  8. Alenka sagt:

    Ich hatte/habe PTBS, was aber von meiner ersten Pschychotherapeutin nicht erkannt wurde und mir wurde eine Dysthymie und Anpassungsstörung von ihr diagnostiziert. War ein langer Weg, diese falsche Diagnose wieder loszuwerden.

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  9. Die erste Diagnose hier war ein Burnout. In der akuten Situation damals auch absolut stimmig, aber war halt nicht die Ursache, sondern nur das auffälligste Symptom in dem Moment.

    Diese Diagnose blieb bei der Reha mit dem Zusatz: Burnout aufgrund massiver Trauma. (8 Wochen)

    In der ersten Klinik wurde weiter Burnout und die zugrunde liegenden Trauma als Diagnose genannt. (8 Wochen)

    In der nächsten Klinik wurde dann intensiv geschaut und DSNNS diagnostiziert mit dem Aktenvermerk DIS und der Erklärung, dass bei DIS viele Krankenkassen den Betroffenen zu Beginn bei den Therapien Steine in den Weg legen. (12 Wochen)

    In allen weiteren Diagnosen danach immer DIS .

    Neben-Diagnosen: rezidivierende depressive Störung (mittel/schwer), Burnout, Borderline-Tendenzen, autistische Verhaltensweisen, starke Suizidneigung, chronische PTBS, Angststörungen, Zwänge…

    Alles zu einem Paket geschnürt.

    Interessant ist dabei, dass der erste Thea bereits in seinen Akten DIS stehen hatte, aber nichts sagte, da er es für unverantwortlich hält die Diagnose Ambulanz ohne passendes Hilfe-Netzwerk dem Patienten in die Ohren zu hauen.

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    1. Hallo, d.h. Du hast noch nie eine Diagnose bekommen, von der Du glauben würdest, sie traf nicht auf Dich zu? lg s.

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      1. Es steht auf einem Schreiben zusätzlich „psychotische Symptome“ mit drauf und auf einem anderen „Verdacht auf Schizophrenie“. Beides von Hausärzten zur Überweisung an die Fachärzte/Fachkliniken. Aber außer den beiden Sachen sind alle Diagnosen für mich durchaus schlüssig gewesen.

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        1. wow, das ist ziemlich gut. 🙂

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      2. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich in einer Klinik heftige Mittel gegen Schizophrenie bekommen habe. Allerdings freiwillig und direkt mit der Begründung: „Um die Schizophrenie ausschließen zu können.“ Nach dem Thema: „Wenn die Stimmen nach 3 Monaten damit da bleiben, ist es sicher keine Schizophrenie oder zumindest nicht ausschließlich…“ Ob das nun sinnvoll ist, darüber muss man wohl nicht unbedingt diskutieren. Ich kenne also durchaus den Entzug wie @INSIDEJANEDOE ihn beschreibt, da ich den auch mitmachen musste… An der anonymen Studie für die Gehirnmessungen zur Feststellung von DIS habe ich dann erst nach dem Absetzen der Medis teilgenommen…

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        1. … und was kam raus bei der Studie?
          Ich finde es echt schlimm, dass Ihr und Jane einen Benzoentzug nach verordneter Einnahme machen musstet? Echt unglaublich…

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        2. Die Auswertung bestätigte: DIS

          Natürlich nicht mit diesem Wortlaut, sondern eher: Probant ‚XYZ‘ zeigt im Gehirnscan Auffälligkeiten, wie sei bei anderen Patienten mit Dissoziativer Identitätsstörung zu finden sind.

          Irgendwo in irgendwelchen Studien kann also wer auch immer mein Brain anschauen ☺

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        3. ist sicher wunderhüsch ❤

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        4. Und zum Entzug… naja, besser so als das Zeug ewig zu nehmen, obwohl es nicht nötig / kontraproduktiv wäre es weiter zu nehmen.

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        5. absolut! Ich bin ja eher Medikamentenphobikerin, aber mit 14 hätte ich es einfach nehmen MÜSSEN, wenn verschrieben. :-/

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    2. diesturmreiter sagt:

      Warum genau legen die bei DIS am Anfang Steine in den Weg?

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      1. Eine Stelle bei der KK sagte mir mal: „Für DIS-Patienten ist mit den Möglichkeiten, die eine Krankenkasse finanziert, nur bedingt wesentliche Besserung zu erreichen. Da stehen oft Kosten und Nutzen in keinem Verhältnis. Das muss die KK also genau überprüfen. Wenn natürlich Gelder über den FSM oder das OEG da sind, dann kann man mit den Kassenleistungen als Ergänzung viel erreichen. Bei DSNNS ist das ganze ja noch nicht so festgefahren, da ist noch was machbar.“ … Frag mich besser nicht, wie sehr ich mich da aufgeregt und welche Worte ich da verwendet habe… ☻

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        1. VIELEN DANK für diesen wertvollen Hinweis!!!! Deswegen bin ich so dahinter, dass auf allen offiziellen Schreiben F44.9 drauf steht. Weniger Vorurteile. 🙂

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        2. diesturmreiter sagt:

          Uiuiui 😕
          Da muss man wohl ne ganz ausgefuchste Therapeutin haben…
          Unsre Freunde hatten da nie Probleme mit…

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  10. So wie ihr es beschreibt wars bei mir auch, Borderline, ADHS, die ganze Palette. Wenn ich heute daran zurück denke könnte ich k*****. Ich war nämlich 14 Jahre alt als ich meine erste Diagnose bekam, und zwar die Schizophrenie, welche damit behandelt wurde indem man mir zusätzlich zu den anderen 5 Medikamenten auch ein Benzodiazepin verordnete welches ich 2 Mal täglich über 2,5 Jahre (!!) nehmen sollte. Als ich mit 16 Zweifel äußerte und daraufhin den Arzt wechselte bekam ich natürlich noch die Suchtmittelabhängigkeit mit in die Akte (natürlich war ich abhängig geworden – aber doch nur weil ich das so lange schlucken musste!!) Ich kannte mich halt damals auch weder mit Medikamenten oder Erkrankungen aus und das Internet war da auch gerade erst im kommen.
    Ich habe erst neulich erfahren dass man mir bereits vor mehr als 12 Jahren schon eine dissoziative Störung diagnostizierte ohne es mir mitzuteilen, und so lebte ich vor mich hin in dem Glauben ich wäre eine schizophrene, Aufmerksamkeits-geminderte Borderlinerin die trotzdem so seltsam anders tickt als die anderen gleich diagnostizierten.

    Danke für Nichts, sag ich da nur.
    Wer den Benzo-Entzug kennt weiß was das fürn Spaß ist.
    Bin grade nochmal richtig sauer geworden.

    Andererseits, (ironisch gemeint), hab ich da wenigstens noch ambulante Therapeuten gefunden. Seit der DIS Diagnose vor ein paar Jahren, und trotz einem Umzug in eine Großstadt, habe ich bisher keinen Erfolg gehabt und halte mich mit oder dank gewisser Frauenberatungsstellen über Wasser.

    Es lebe das Helfersystem!!

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    1. Wow, das ist eine echt krasse Geschichte. Ich kenne das ja auch mit Fehlbehandlung – nur dass ich eben erwachsen war zu dem Zeitpunkt – und da kann man einfach mehr Verantwortung übernehmen. Was für eine Schande… lg s

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      1. Du sagst es! Aber auch als Erwachsene finde ich es nicht schön manchmal auf z.T. extrem inkompetente Helfer angewiesen zu sein, das hat für mich was von „in der Falle sitzen“ und das ist doch gerade das was wir alle nie mehr wollen.

        Einmal in der Geschlossenen ging wer aus dem Ich zum Pflegepersonal weil sie sich nicht anders zu helfen wusste und weil auch gesagt wurde man möge sich doch bitte melden wenns ganz schlimm wird. Jetzt halt dich fest- die Antwort auf ‚Bitte helfen sie mir, ich verliere gleich die Kontrolle und soll mich doch melden bevor etwas passiert‘ war: ‚Toll. Und was soll ich da jetzt machen, sehe ich aus wie ein Zauberer?‘

        Oder zB. hat eine Mitpatientin im dissoziativen Zustand seit 20 Minuten ihren Kopf an die Wand gehauen. Uns anderen Patienten war untersagt da zu helfen denn, ich zitiere ‚jeder Patient soll ja die Chance bekommen sich selbst zu regulieren‘. Dass die gutste schon geblutet hat hat die „Helfer“ nicht interessiert. Wir haben ihr dann heimlich da raus geholfen und sie hat sich tierisch bedankt.

        Naja soviel dazu. Alles hat eben seine guten und schlechten Seiten.

        LG, JaneDoe

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        1. „jeder Patient soll ja die Chance bekommen sich selbst zu regulieren.“ – Ich war auch auf der Traumastation teilweise baff, mit welchen Sätzen man „nicht arbeiten und stattdessen Internetsurfen“ beim Pflegepersonal kaschiert hat. Crazy.

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  11. daritestonia sagt:

    Früher als die Kinder klein waren, psych. Erschöpfung ( statt Depression ), Psychosomatische Störung.
    Dann innerhalb der letzten 3 Jahre: Reaktion auf schwere Belastung, chron. rez. Depression, PTBS, Dissoziative Störung, chron. Schmerzstörung, Dis. Stimmt auch alles meiner Meinung nach.

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    1. wow, super, lauter Treffer! 🙂

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  12. Wir haben von der ersten Therapeutin direkt die Diagnose PTBS, borderline und Verdacht auf akutedataif Psychosen bekommen und die Aussage , bei ihnen gabs kein trauma vor dem neunten Lebensjahr, wie die

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    1. Hallo, Deine Nachricht kam wohl unvollständig an. Vielelicht magst Du nochmal ergänzen? lg s

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  13. Darauf kam ist uns immer noch ein Rätsel..

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  14. Pauline-s sagt:

    Ich weiß, ist n schwieriges Thema, aber mich würd trotzdem mal interessieren, wie hoch eigentlich so ne Fehldiagnosenquote bei DIS ist? Kann man ja gar nicht auflären, ne? Aber muss doch auch n Thema sein: Genauso wie andere Psy-Diagnosen kann ja auch ne DIS fehldiagnostiziert sein… weiß nicht?

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    1. Hallo Pauline-s, es gibt falsch positive (Du bekommst eine DIS-Diagnose, hast aber keine) und falsch negative (Du bekommst keine DIS-Diagnose, hast aber eine).
      Ich kann Dir nur von meiner Region sagen: Sowohl die „Traumastation“, auf der ich war, als auch das größte diagnostische ambulante Zentrum für Psychotrauma haben mir beide gesagt: Sie hätten keine Diagnostik für DIS (obwohl es die seit 2006 gibt). Das Zentrum hab ich gefragt: „Dann würden Sie mit Ihren verfügbaren Testverfahren mich nich als DIS-Patientin erkennen, auch wenn ich unbestritten eine habe?“ – „Ja.“ Ich kann also von diesen beiden Institutionen sagen, dass die Fehldiagnoserate für DIS wohl bei 100% liegt, selbst wenn man schon mit einer solchen Verdachtsdiagnose hinkommt. Das ist echt schräg, wie hinterweltlerisch meine Gegend ist. lg s

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  15. sinalebt sagt:

    Wir haben im OEG-Verfahren vom Gutachter (Psychiater) die Diagnose „angeborene Borderlinestörung, die durch den
    langjährigen Missbrauch nur noch geringfügig verschlimmert werden konnte“ sowie eine „Borderline-Persönlichkeitsstruktur“
    (Originalzitat) bekommen.
    Kann man sich auf der Zunge zergehen lassen. Solch geballte fachliche Kompetenz und Kreativität….
    Da biste schon vor der Geburt völlig verkorkst gewesen.

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    1. lamorada sagt:

      das ist einfach nur krass und so absolut nicht haltbar.

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      1. sinalebt sagt:

        Danke fürs Mitaufregen…..

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    2. lamorada sagt:

      so. irgendwie hat mir das keine ruhe gelassen also nochmal nachgeguckt:

      der gutachter war so was von eine flitzpiepe (ums mal so höflich wie möglich auszudrücken):
      das einzige was ich bei bohus / wolf zum thema „angeboren“ gefunden habe war das in der bio-sozialen *theorie(!)* davon ausgegangen wird das für die entstehung und aufrechterhaltung dieser persönlichkeitsstruktur meistens zwei faktoren eine rolle spielen:

      1. eine besondere emotionale sensibilität – dies entspricht dem biologischen faktor
      2. sehr belastende, oft abwertende oder traumatisierende einflüsse durch das soziale umfeld, dies entspricht dem sozialen faktor.

      habe da auch gestern nochmal mit meiner dbt-thera drüber gesprochen das es wirklich erschreckend ist wie leichtfertig mit dieser diagnose umgegangen wird und wie wenig wert und sorgfalt es beim „blick hinter die symptomatik“ oftmals gibt. (wie oben ja schon erwähnt bin ich überaupt erst durch meine dbt-thera an den punkt gekommen mich an eine traumaambulanz zu wenden)

      alles was mir da jetzt sonst noch gerade zu einfällt wird jetzt mal dem internen maulkorbmanagement unterworfen.

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      1. Hallo, das Grundproblem ist, dass das Psywesen keinen wissenschaftlichen Anspruch hat, sondern eine Modelllehre ist. In Fachbüchern ziterien sich Leute mit ihren Meinungen gegenseitig, meist ohne empirische und naturwissenschaftliche Hintergründe anzuführen. So schleppen sich Fehler über Generationen von Akademikern mit. (Unwissenschaftliche) Modelllehren sollten von Universitäten verbannt werden (findt mein Ausbildner). lg s

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      2. sinalebt sagt:

        Schlimm ist, dass das alles an dem, was wirklich ist, so vorbeigeht, es wegredet, verharmlost. Und der Gutachter kriegt nicht nur gerne von der Behörde Geld für solche Ablehnungsgutachten, der meint das auch so, was der schreibt.
        Nach ICD10 darf er das so gar nicht, weil Persönlichkeitsstörung im Kindesalter da nicht geht. Aber nach DSM.
        Das Gericht hat das dann anders gesehen. Die vom Gericht beauftragte Gutachterin stellte fest,keine Borderlinestörung, sondern kPTBS
        und klar zurückzuführen auf die Taten. kPTBS trifft zu (neben der DIS) steht aber noch nicht im ICD10.
        Die Behörde hielt aber daran fest, sodass es dann, offiziell vom Gericht, eine Borderlinestörung im Sinne einer komplexen PTBS wurde .
        Es treibt schon Stilblüten, wenn die Diagnose DIS um jeden Preis vermieden wird.

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        1. Das ist echt eine schräge Sache, wenn das Gericht (= studierte Juristen) die Diagnose auf eine Mischung aus 2 konträren Gutachten vermischen und so Diagnosen erfinden. Sachen gibt’s, die gibt’s gar net…

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  16. lamorada sagt:

    hallo sonrisa

    das finde ich jetzt etwas zu pauschalisiert. für eine vielzahl mag das zutreffen aber es gibt ja durchaus personen und institutionen im psywesen die einen wissenschaftlichen anspruch an sich haben, die aktiv forschen (z.b. das zentralinstitut für seelische gesundheit in mannheim die viel im bereich persönlichkeitststörungen und trauma forschen) und auch bereit sind sich selber zu korrgieren wenn neuere erkentnisse dazu führen das altes so nicht mehr haltbar ist (z.b. die reddemann die wohl das konzept vom „inneren sichereren wort“ bei bestimmten traumata ausdrücklich nicht mehr empfiehlt und stattdessen wenn denn möglich einen „inneren wohlfühlort“ empfiehtl.

    das dies noch viel zu selten passiert ist keine frage und auch der punkt das fehler quasi von generation von generation weitergegeben werden möchte ich garnicht bestreiten.

    meiner meinung nach ist ein ganz wesentliches grundproblem das im gegensatz zu so gut wie allen anderen arbeitsbereichen (Z.b. Handwerk) es schon rechtlich kaum notwendig erscheint über entsprechende nachweise spezieller qualifikationen zu verfügen.

    während es in diesem land also von den berufsgenossenschaften im handwerk vorgaben gibt für leiter-scheine (wie stelle ich eine leiter auf und welche tätigkeiten darf ich auf ihr ausüben) dübel-qualifizierung (wie bohre ich ein loch und bringe mittels eines dübels eine last an), selbstständige in bestimmten bereichen regelmäßig ( oftmals jährlich, teils zweijährlich) zu wiederholungs- und auffrischungsunterweisungen müssen um nachzuweisen das sie bestimmte sicherheitsrelevante procedere noch beherschen und um über evtl veränderungen der vorgaben informiert und ggf geschult zu werden und in teufels küche geraten sollte es zu einem vorfall kommen für den sich die berufsgenossenschaft interessiert …. in diesem land können psychiater und andere ohne jede verpflichtung zu qualifizierungsnachweisen zu allem und jedem ihren senf dazu geben ohne (ernsthaft) befürchten zu müssen da jemals für gerade stehen zu müssen und ihre zulassung zu verlieren.

    (extrem langes Zitat aus rechtlicher Unsicherheit entfernt, Anm. SM)

    lg lamorada

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    1. lamorada sagt:

      oh und natürlich war der „innere sichere ort“ gemeint. und eben – wenn es wie in anderen branchen rechtlich verpflichtend wäre regelmäßig zu fortbildungen bzw weiterbildungen zu gehen wäre zumindest die realistischere chance das sich bestimmte konzepte nicht so festsetzen auch wenn ihre sinnhaftigkeit längst nicht mehr gegeben ist.

      das ist ja eh so ein witz, es geht so oft um die wichtigkeit und imense bedeutung eines validierenden umfeldes in der kindheit und jugend und was nicht alles schlimmes passiert wenn das nicht gegeben ist. das aber fehldiagnosen, stigmata etc eben genau diese schon in der kindheit und jugend mehr als genug erlebte invalidierung immer wieder reproduzieren scheint irgendwie dann plötzlich keine relevanz mehr zu besitzen *grübel*

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      1. Hallo, ich bin auch für Pflichtfortbildungen für Therapeuten und Psychiater. Dass das veraltete Konzepte rausdrängt, glaube ich aber nicht, schließlich werden immer noch Psychoanalytiker ausgebildet und von den Krankenkassen anerkannt, obwohl dieses Konzept lange widerlegt ist.
        Applaus für den 2. Absatz!!!!
        lg s.

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    2. Hallo lamorada, schau: Was ich auf der Uni gelernt habe, was als Wissenschaft zählt und was nicht – sorry, da fällt das gesamte Psywesen nicht drunter. Neurobiologie ja, Neuro- alles mit bildgebenden Verfahren, von mir aus noch Psychopharmakologie, aber kein „sicherer Ort“ oder sowas, ganz wurscht wie viel Empirie man dazu produzieren würde (was man eh nicht tut, aber egal), das ist 2019 genauso wissenschaftlich wie schamanische Geisterzauber. Ich kann halt auch nicht raus aus meinem Gelernten. 🙂 lg s

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      1. lamorada sagt:

        hach zum thema schamanismus:

        ich war 2010 in der klinik, hatte ein buch über den huna-schamanismus dabei und habe das gelesen – und musste dann doch sehr schmunzeln als einer der oberärzte erzählt hat er wäre gerade auf einem neurologen-symposium gewesen und sie hätten so dieses und jenes nachgewiesen. ich weiß leider nicht mehr was es war (wenn wunderts, mich nicht) aber ich musste doch schmunzeln weil das was er da über neueste neurologische erkenntnisse erzählt hat was in der therapie wirkungsvoll ist diesem schamanismus nachweislich seit jahrhunderten bekannt ist.

        und wieder mal: ich glaube nicht das es hier dann darum gehen kann und sollte das eine seite recht hat und die andere falsch liegt – und man sich vor scharlatanerie schützen solte – aber ich für mich kann schon sagen das ich nichts gegen die idee habe dass das ganze mehr als die summe der (zur zeit wissenschaftlich nachweisbaren) teile ist.

        in diesem sinne, schön und spannend eine kontroverse auszuhalten mit dir 🙂

        lg lamorada

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        1. lamorada sagt:

          aaaargh. und man sich *natürlich* vor scharlatanerie schützen sollte!

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        2. Entschuldigung, wollte dich nicht kontroversieren;)

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        3. Hallo, ich habe überhaupt kein Problem mit Schamanismus! Ich habe auch kein Problem damit, dass Schamansimus funtkioniert! Ich habe nicht mal ein Problem Shiatsu zu buchen! … das hat keinen Wissenscahftsanspruch. Ich habe auch kein Probelm zu sagen: Für mich funktioniert Shiatsu super, obwohl es unwissenschaftlich ist! Mich stört, dass Schamanismus und Shiatsu nicht an Universitäten gelehrt werden, während Psychologie schon – denn außer Empirie generiert die dortige Arbeit keine wissenschaftlichen Ergebnisse, und nur Empirie ist halt nur die Hälfte vom Wissenschaftsanspruch. Und wie Du in 156 vielleicht gelesen hast, teilen Harvard-Professoren meine Meinung, dass die akutellen Diagnosekataloge nicht wissenschaftlich valide sind. lg s

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  17. lamorada sagt:

    da brauchst du dich garnicht für entschuldigen. für mich ist das ein sehr spannender prozess (so spannend das ich das sogar meiner dbt thera erzählt habe das ich es geschafft habe zu antworten als wir weiter oben mal gegensätzlich waren und mich darüber für mich gefreut habe) – du darfst mich kontroversieren sonrisa 😀

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    1. Hallo lamorada, :-). Wow, ich bin durch meinen Job so oft gefragt, eine Meinung zu vertreten gegen krasse Widerstände (und die Sichtweise von Menschen zu verändern), dass ich gar nicht merke, dass wir gegen einen Widerstand diskutiert haben. :-O Aus meiner Sicht: Wir plaudern doch nur.
      Toll, dass Du es geschafft hast!
      Lieben Gruß s.

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